Katholische Sexualmoral

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Kai

Katholische Sexualmoral

Beitrag von Kai » Sonntag 14. September 2008, 22:00

Aus der Bibel ist mir das 6. Gebot folgendermaßen bekannt: " Du sollst nicht ehebrechen." Die katholische Kirche formuliert aber " Du sollst nicht unkeusch sein". Woher stammt die Umformulierung des 6. Gebotes? Während aus dem biblischen 6. Gebot der Schutz des Ehepartners vor dem Verstossen ausgesprochen wird, wird durch das Gebot der katholischen Kirche das Sexualleben geregelt, wobei fast jede sexuelle Handlung zur schweren Sünde erklärt wird. Wird hier nicht das 6. Gebot der Bibel verfälscht? Aus einem Schutzgebot, wird eine Überreglementierung. Hierdurch finden sich viele Menschen als Sünder wieder, was so aus der Bibel nicht hervorgeht.

Engelbert Frank

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 22:01

Sie haben Recht - im biblischen Text heißt es bei den zehn Geboten nur: "Du sollst nicht die Ehe brechen" (Exodus 20, 14). Die katholische Kirche folgt aber in Ihrer Überlieferung (Tradition) den moralischen Weisungen des Alten und Neuen Testaments insgesamt und bezieht das sechste Gebot auf alle Sünden gegen die Keuschheit.

So heißt es beispielsweise in der Bergpredigt: "Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen" (Matthäus 5, 27-28).

Trotzdem ist es wichtig, dass man die Geschlechtlichkeit nicht als etwas Schlechtes sieht und behandelt (das tut auch die katholische Kirche nicht). Die Geschlechtlichkeit ist etwas Positives und Schönes, wenn sie in rechter Weise in der Beziehung von Mann und Frau (der vollständigen und zeitlich unbegrenzten gegenseitigen Hingabe) gelebt wird.

Renate

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Renate » Sonntag 14. September 2008, 22:01

Generell möchte ich dazu sagen, dass ich es positiv finde, dass die katholische Kirche eine andere Haltung zur Sexualität einnimmt als der gesellschaftliche Mainstream. Dieser Leistungsdruck als sexuell erfolgreich gelten zu müssen und ein sexuelles Konsumverhalten finde ich abstoßend. Allerdings finde ich gibt es in der katholischen Sexuallehre ein paar Ungereimtheiten, die ich so nicht verstehe. Der Begriff der Keuschheit wird so beschrieben, als ob man eigentlich zur sexuellen Enthaltsamkeit verpflichtet ist. Nur ausnahmsweise wird in der Ehe Sex zugelassen. Papst Johannes Paul II sprach ja auch davon, dass man mit dem eigenen Ehepartner Ehebruch begehen könnte. (Wie soll das eigentlich gehen?)Ich finde man sollte verantwortlich mit der eigenen Sexualität umgehen, also z.B. nicht mit jemanden schlafen, von dem man nichts will und wenn eine Schwangerschaft vorliegt, das Kind abtreiben. Wenn man aber die Zukunft gemeinsam verbringen will und auch Kinder haben will, dann finde ich es nicht unmoralisch mit einander Sex zu haben, unabhängig davon, ob man verheiratet ist oder nicht. Vielleicht kann mir in diesem Forum jemand erläutern, wo Jesus etwas über Sexualität gesagt hat. Ich bin immer nur auf Augustinus gestossen, der die katholische Sexuallehre begründet hat. Augustinus hat doch aber selbst ein sexuell sehr freizügiges Leben geführt. Spiegelt sich nicht hier seine persönliche Erfahrung wider, indem er von einem Extrem zum anderen wechselte. Das kann aber doch nicht auf alle Menschen anwenden.

Engelbert Frank

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 22:01

Ich weiß nicht auswendig, wo in der Bibel Aussagen von Jesus über Sexualität stehen, bin aber aufgrund von dem, was ich aus der Bibel über Jesus weiß, davon überzeugt, dass er selbst ein keusches Leben geführt hat. Er ist für mich ein Vorbild, was (richtig verstandene) Keuschheit betrifft.

Mir ist nicht bekannt, dass Papst Johannes Paul II. davon gesprochen hätte, man könne mit dem eigenen Ehepartner Ehebruch begehen. Ich kann mir eine solche Aussage des Papstes (wo war das?) auch gar nicht vorstellen, denn die katholische Kirche bejaht die Geschlechtlichkeit, wenn sie in der Ehe gelebt wird.

Jennifer

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Jennifer » Sonntag 14. September 2008, 22:02

Woraus ergibt sich eigentlich die Kompetenz der Kirche, das Sexualleben ihrer Gläubigen so detailliert zu regeln? Mir scheint es, dass es als normal veranlagter Mensch gar nicht möglich ist, in diesem Bereich sündenfrei zu bleiben. Ich erinnere nur daran, dass früher die katholische Kirche alle anderen Positionen außer der Missionarsstellung als schwere Sünde bezeichnet hat. Dies wird ja zum Glück heute nicht mehr behauptet. Also eine Wandlungsfähigkeit der Kirche ist schon zu erkennen.

Auch finde ich die ich die Reduzierung der Zeugung Jesu durch den heiligen Geist auf eine Keuschheitsgeschichte Mariens sehr schade. Das wichtige daran, dass Jesus Gott und Mensch zugleich war und Gott dadurch unsere Gottähnlichkeits erneut unterstrich, geht dabei völlig unter. Wir Menschen sind für Gott so wichtig, dass einer von uns auch Gott sein kann und uns von Sünde und Tod befreit hat. Damit die Menschen dies verstehen, hat Gott die jungfräuliche Maria aus dem Hause David erwählt. Daraus aber eine generelle Keuschheitspflicht für alle Menschen abzuleiten, halte ich für falsch.

Auch ich stosse immer wieder auf den Namen Augustinus. Mit welcher Kompetenz hat er eigentlich gesprochen, er war doch nicht einmal Papst?

Engelbert Frank

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 22:02

Die Geschlechtlichkeit ist, so denke ich, ein wichtiger Bereich im Leben eines Menschen. Deshalb erwarten wohl auch viele Gläubige, dass ihre Kirche sagt, wie die Geschlechtlichkeit gut gelebt werden kann.

Die Äußerungen der katholischen Kirche über die Keuschheit stützen sich meines Wissens nicht in erster Linie darauf, dass die Jungfrau Maria Jesus Christus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hat, sondern auf den alttestamentlichen Text "Du sollst nicht die Ehe brechen" (Exodus 20,14) und auf das, was im Neuen Testament über das Leben und die Botschaft Jesu berichtet wird.

Augustinus und sein Verständnis der biblischen Texte mag (ich kenne mich da aber zu wenig aus) für die katholische Lehre über die Keuschheit bestimmend gewesen sein, ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Kirche nur ihm allein folgte.

Anna Lena

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Anna Lena » Sonntag 14. September 2008, 22:02

Im Ehevorbereitungsunterricht wies uns unser Pfarrer in die katholische Eheauffassung ein. Beim Punkt Unauflöslichkeit der Ehe fragte ich nach, ob dies bedeutet wenn mich mein Verlobter betrügt oder mißhandelt, ich niemals mehr nach einer Scheidung heiraten dürfte. Diese Frage beantwortete er mit ja und sagte darüberhinaus, dass ich niemals mehr eine sexuelle Beziehung eingehen dürfte, auch wenn ich schuldlos geschieden bin. Da mir die kirchliche Eheschließung inhaltlich (nicht nur wegen den Äußerlichkeiten) sehr wichtig war, heirateten wir nur standesamtlich, da ich bei der kirchlichen Trauung hätte lügen müssen. Gott kann man ja nicht belügen. Ich kann doch nur für mich eine Erklärung abgeben, dass ich bis Lebensende mit meinem Mann zusammenbleibe, aber doch nicht für einen anderen. Meine Frage: Lebe ich jetzt in einer "schweren Sünde", weil ich nicht kirchlich verheiratet bin und trotzdem Sex mit meinem Mann habe? Darf ich beichten und zur Kommunion gehen?

Kowalski

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Kowalski » Sonntag 14. September 2008, 22:03

Ist die Liebe/Partnerschaft zwischen Cousin und Cousine von der Kirche abgesegnet? Ein guter Bekannter von mir ist in seine Cousine verliebt. Obwohl er weiß, dass rechtlich nichts dagegen spricht, befürchtet er Hindernisse/Probleme seitens seiner Familie die sehr christlich ist. Ich frage mich nun, ob es dazu eine Stellungnahme der Kirche gibt oder etwas das hier entsprechend anzuwenden wäre. Kann mir da jemand weiterhelfen?

Stefan Ihli

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Stefan Ihli » Sonntag 14. September 2008, 22:03

Eine Partnerschaft zwischen Cousin und Cousine ist ohne weiteres möglich. Zwar reicht das Ehehindernis der Verwandtschaft bis zum sogenannten vierten Grad der Seitenlinie, was das Verhältnis zwischen Cousin und Cousine ist. Es kann aber von diesem Ehehindernis in diesem Verwandtschaftsgrad ohne weiteres befreit werden. Da dies rechtlich möglich ist, spricht auch moralisch nichts gegen diese Beziehung.

Rüdiger

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Rüdiger » Sonntag 14. September 2008, 22:04

Ich finde man sollte das ganze mit der Sexualmoral nicht so hoch aufhängen. Die katholische Kirche ist doch vielmehr als nur die Sexualmoral. Sie ist, bei allen Fehlern, von Jesus als seine Kirche eingesetzt worden. Jesus selbst ist mit Sündern im Sexualbereich sehr barmherzig umgegangen. Vielleicht sollten wir uns an ihm ein Beispiel nehmen. Ich persönlich halte es mit meiner Sexualmoral so, dass alles was nicht gegen die 10 Gebote verstößt, erlaubt ist. Wenn ich keine Ehe zerstöre, kein Kind abtreibe oder Gefühle anderer verletze, kann ich keine Sünde erkennen. Klar das mein Verhalten nicht der reinen Lehre entspricht, ich habe aber kein schlechtes Gewissen dabei. Mir widerstrebt es einfach, Gott als Superstasispitzel wahrzunehmen, der mir beim jüngsten Gericht kleinlich jeden Verstoss gegen das Kirchenrecht vorhält. Für mich ist er mein Vater im Himmel. Ein Vater braucht kein Gesetzeswerk um das Verhältsnis zu seinen Kindern durchzuregeln. Ich fühle mich wohl in der katholischen Kirche, weil ich in ihr Gottes Wirken verspüre. Nur wegen der Sexualmoral auszutreten oder rumzukritteln finde ich falsch. Liebe Grüße Rüdiger

Greger

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Greger » Sonntag 14. September 2008, 22:04

Viele Vorstellungen in der katholischen Sexualmoral sind praktisch gar nicht umsetzbar. Wie soll denn ein junger Mensch überhaupt eine Ehe eingehen können, wenn er jegliche sexuelle Regung oder jedes sexuelle Interesse sofort unterdrücken muß, um keine Sünde zu begehen.Wie soll er überhaupt jemanden kennenlernen. Gerade als Eltern ist es wichtig den Kindern ein verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität beizubringen. Jeder Mensch sollte wissen, dass Sex lebensspendend sein kann. Wenn er sich dessen bewusst ist und bereit ist für eventuelle Kinder und den Partner Verantwortung zu übernehmen, so halte ich dies nicht für unmoralisch. Sicherlich ist dies am Besten in der Ehe aufgehoben, da die rechtlichen und praktischen Voraussetzungen zumeist vorhanden sind und die Kinder rechtlich besser geschützt sind. Die Ehe aber nur als Genehmigung zum sündenfreien Sex anzusehen, finde ich falsch.

Auch ich finde die katholische Kirche ist mehr als nur die Sexualmoral. Nur weil man sich nicht immer an die Vorgaben der Kirche halten kann, ist man kein schlechter Mensch. Umgekehrt ist die Kirche nicht deswegen schlecht, weil sie etwas weltfremde Thesen in diesem Bereich vertritt. Jesus hat sie immerhin für uns Menschen gegründet.

Engelbert Frank

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 22:05

@ Anna Lena (14.08.2007)

Nach der Lehre der katholischen Kirche bleibt eine Ehe trotz der staatlichen Scheidung vor Gott weiterhin bestehen und die geschiedenen Partner sind nicht frei eine neue Ehe einzugehen. Das hängt damit zusammen, dass für die katholische Kirche die Ehe ein Zeichen dafür sein soll, wie Gott ursprünglich Mann und Frau geschaffen hat (Mann und Frau werden ein Fleisch - Genesis, Kapitel 2, Vers 24), und ein Zeichen dafür, wie Jesus seine Kirche liebt (endgültig und unwiderruflich).

Der schuldlos Geschiedene, der trotz Scheidung die eheliche Treue hält und keine neue Verbindung eingeht, legt ein wertvolles Zeugnis für die Unauflöslichkeit der Ehe ab. Er ist ein Vorbild für alle, die meinen, es sei gegen die Natur des Menschen, nach erfolgter Scheidung unverheiratet zu bleiben.

Wenn Sie es ablehnen, sich durch die Ehe bedingungslos bis zum Tod an Ihren Mann zu binden (also auch für den Fall, dass er das Eheleben aufgibt), dann ist es in der Tat ehrlicher, wenn sie sich nicht in der katholischen Kirche trauen lassen. Sie würden nämlich sonst etwas vor dem Trauungsgeistlichen erklären, was Sie gar nicht so meinen.

Besser wäre es aber, wenn Sie und Ihr Mann von Herzen ein bedingungsloses Ja zueinander sprechen würden. Ich denke, durch ein bedingungsloses Ja ermutigen Sie sich gegenseitig, alles zu tun, damit die Ehe gelingt. Auch bei Schwierigkeiten im Ehealltag verhält man sich anders, wenn man weiß, dass sich der Partner "ohne Hintertürchen" an einen gebunden hat. So ist das bedingungslose Ja der Partner eine Voraussetzung (neben anderen) für eine gute Ehe.

Wenn Sie bei einer kirchlichen Trauung ein solches Ja sprechen, leben Sie in Übereinstimmung mit der Lehre der katholischen Kirche. Es gibt für Sie dann kein Hindernis (mehr), die Sakramente (Beichte und Kommunion) zu empfangen, und Sie können sich, was Ihre Ehe betrifft, im Einklang mit dem Willen Gottes fühlen.

Alexandra

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Alexandra » Sonntag 14. September 2008, 22:05

Hallo,

dieses ewige Herumgehacke auf der katholischen Sexualmoral kann ich schon nicht mehr hören. Der Mensch besteht doch nicht nur aus seiner Sexualität. Dies ist doch nur ein, wenn auch sehr wichtiger und sehr schöner Teil, des menschlichen Wesens. Gott wird sich ja dabei was gedacht haben, dass nur so die Fortpflanzung möglich ist. Also kann dies ja nichts schlechtes sein. Meines Wissens hat dies die katholische Kirche auch nie behauptet. Das einzelne, wie Augustinus, über das Ziel hinausschießen, tut doch nichts zur Sache. Wenn man in diesem Bereich nicht zu 100% nach der Lehre lebt, so ist dies doch auch in anderen Bereichen nicht so. Wie oft lügt man oder schummelt bei der Steuererklärung. Kein Mensch stört sich daran, dass auch dies der katholischen Lehre widerspricht. Nur der ganze Bereich der Sexualität wird riesig aufgebauscht, nur um die katholische Kirche dauernd an den Pranger stellen zu können. Es gilt doch wie bei anderen Sünden auch, dass man in der Beichte Vergebung erlangen kann. Bisschen komisch ist nur die Haltung zu den wiederverheiratet Geschiedenen. Dass denen nicht vergeben wird und ein Neuanfang unmöglich gemacht wird, verstehe ich auch nicht. Selbst Mörder dürfen wieder neu anfangen. Wir sollten uns aber alle nicht verwirren lassen, die katholische Kirche ist von Jesus zum Wohl für uns Menschen gegründet worden. Das allein zählt. Wenn wir als schwache Menschen immer wieder sündigen, dürfen wir auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Dafür hat er uns das Sakrament der Versöhnung geschenkt.

Karl-Heinz

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Karl-Heinz » Sonntag 14. September 2008, 22:05

Zu Alexandra:

Mag sein, dass wenn man die Verlautbarungen der katholischen Kirche genau liest, nie ein Sexualpessimismus zu erkennen war. In der Praxis hatte man aber schon oft den Eindruck, dass die schlimmsten Sünden bei der Sexualität zu finden sind. Ich kann mich noch an meine eigene Jugend erinnern, als ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen hatte als ich das erste mal nackt nach dem Sportunterricht duschte. Erst bei der Bundeswehr ist das vergangen. Ich habe gelernt, dass dies gegen das 6. Gebot (Unkeuschheít) verstossen würde. Heute sehe ich das gelassener. Aber damals habe ich sehr darunter gelitten. Dies war auch bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen so. Ich dachte mit 17 ich komme in die Hölle. Erst in einem Jugendlager mit der KJG traf ich auf einen Priester, der mir diese Angst nahm. So bin ich dem Glauben treu geblieben und habe mich nicht wie viele andere von der Kirche verabschiedet. Diese Zwangsvorstellung nach jedem sexuellen Kontakt sofort einen Beichtstuhl aufsuchen zu müssen, war schon quälend. Mittlerweile empfinde ich meinen katholischen Glauben als sehr befreiend. Was ist aber mit denen, die keinen Priester fanden, der ihnen dies vermitteln konnte?

ddb

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von ddb » Sonntag 14. September 2008, 22:06

Wenn man das allein beachtet, was in der Bibel steht, wären ja keine besonderen Probleme entstanden. Probleme tauchen ja erst durch die Mumien in der Organisation Kirche auf - Augustinus, Franz von Assisi, Gregor, Johannes Paul und jetzt Benedikt. Wunderbar und kompetent dargestellt von Uta Ranke-Heinemann in Eunuchen für das Himmelreich.

Rudi

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Rudi » Sonntag 14. September 2008, 22:06

Zu ddb

Mir scheint es so, als ob gewisse kulturelle und zeitgeistliche Einflüsse in das Christentum eingeflossen sind, die aber originär nichts mit dem Christentum zu tun haben. Für den Bereich der Sexualität gelten doch auch die 10 Gebote. Per se die Sexualität zu kriminalisieren widerspricht der menschlichen Natur. Es geht eben nicht nur um Fortpflanzung (wie bei den Tieren) sondern auch um zwischenmenschliche Kommunikation und seelisches und körperliches Wohlbefinden. Die Fortpflanzung ist nur ein Aspekt der Sexualität. Es ist natürlich schon so, dass zolibatär Lebende dies so nicht nachvollziehen können und der Hinweis der Heilige Geist würde die richtige Lehre eingeben, greift auch etwas zu kurz. Kurzum, ich bin der Meinung wenn zwei Menschen Sex haben wollen, keiner von beiden geschädigt wird und kein Dritter (z.B. in dem man an eine Abtreibung denkt, Ehebruch)geschädigt wird ist das keine Sünde. Gegen welches der 10 Gebote soll es denn verstossen? Ach ja, das 6. Gebot "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben", in der Bibel steht aber "Du sollst nicht ehebrechen". Hier wurde etwas umformuliert, um eine Generalklausel zur Kriminalisierung von Sex zu haben.

Das Buch von Frau Ranke-Heinemann ist ganz interessant, aber natürlich auch sehr subjektiv geprägt. Aber durchaus interessant zu lesen. Schade dass hier so wenige Diskussionsbeiträge sind. Hoffentlich haben sich nicht diejenigen, die mit der Sexualmoral der katholischen Kirche nicht klar kommen (weil sie widernatürlich ist)gänzlich vom Glauben verabschiedet. Wie hier bereits gesagt wurde ist Glaube und katholische Kirche wesentlich mehr als nur fragwürdige Lehraussagen zur Sexualmoral. Die katholische Kirche ist bei allen Irritationen die Kirche Jesu Christi.

Ich freue mich auf weitere Meinungen.

Alexandra

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Alexandra » Sonntag 14. September 2008, 22:07

Ich finde sehr interessant, dass sich hier im Board Menschen tummeln, denen an der katholischen Kirche und ihrem Glauben etwas liegt und nicht den Fehler wie viele andere machen, sich von ihr zu verabschieden, nur weil sie die Sexualmoral nicht leben können.

F. Habenicht

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von F. Habenicht » Sonntag 14. September 2008, 22:07

Im privaten Bereich hört man oft, die katholische Kirche würde Verhütung (z.B. durch Kondom) und Abtreibung gleichsetzen. Ich kann mir das kaum vorstellen. Mir ist klar, dass es "Verhütungsmittel" gibt, die frühabtreibend wirken, das ist natürlich eine Abtreibung und damit schweres Unrecht. Aber die Benutzung eines Kondoms ist doch keine Abtreibung, da entsteht doch kein Mensch. Auch hat mir ein Freund gesagt, die katholische Kirche würde eine erneute Heirat nach Scheidung als Ehebruch ansehen. Das kann ich mir kaum vorstellen. Kann mir bei meinen Fragen da jemand helfen?

Arletta Bolesta

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 22:07

Zu Beginn moechte ich ueber die Stellungnahme der Kirche betreffs erneuter Heirat nach Scheidung schreiben.

Wenn eine Person kirchliche Ehe geschlossen hat, aber sie bekam keine Ehenichtigkeitserklaerung, und trotzdem schliesst sie eine neue Zivilehe, dann ist die Situation klar, dass sie nicht nur gegen kirchliches Recht sondern auch gegen Evangelium wirkt. Auf welche Weise man das begruenden kann. Wenn eine Person zur katholischen Kirche gehoert, soll sie das annehmen, dass es solchen Inhalt des Evangeliums also die Lehre von Christus gibt.

Wenn es um das zweite Problem geht, natuerlich gibt es einen Unterschied unter verschiedenen Verhuetungsmittel oder einen Unterschied zwischen Verhuetung und Abtreibung. Aber man kann auch sagen, es ist egal, ob es um Verhuetungsmittel verschiedener Arten oder Abtreibung geht, denn es gibt keine Offenheit fuer das neue Leben bei solchen Situationen. Dabei soll man u.a. Humanae vtae von Paulus VI. beibringen.

Robert

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Robert » Sonntag 14. September 2008, 22:08

Die Verwirrung über Verhütungsmittel stammt nicht von der Kirche, sondern von der allgemeinen gesellschaftlichen Verwirrung. Es gibt viele Zeitgenossen, die Abtreibung für eine Art der Verhütung halten. Die Kirche hat hier eine klare Stellung: Der Mensch ist ein Abbild Gottes. Jesus hat hier klar gesagt." Was ihr dem Geringsten meiner getan habt, habt ihr mir getan." Positiv, wie negativ. Ungeborene Menschen sind schwach und wehrlos und bedürfen wie alle anderen Menschen der Zuwendung und des Schutzes.

Bezüglich der Ehe vermag ich allerdings Herrn oder Frau Bolesta nicht zu folgen. Gescheiterte wurden von Jesus besonders umsorgt." Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid...." Aus dem Evangelium geht keineswegs ein Wiederverheiratungsverbot hervor. Die Praxis wiederverheiratet Geschiedenen die Sakramente, die von Jesus zum Wohl und zur Stärkung der Menschen eingesetzt wurden zu verweigern, kann sich nicht auf Jesus berufen. Ja sie ist sogar unchristlich. "Der Kranke braucht den Arzt, nicht der Gesunde." Hier lügt sich die Kirche selbst in die Tasche, wenn sie sich auf Jesus beruft. Jesus ist sehr hart mit den Pharisäern umgegangen, die ihre eigenen Überlieferungen über das Wort Gottes gestellt haben.

Robert

Arletta Bolesta

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 22:08

Wenn katholische Kirche gegen Wiederverheiratung ist, in diesem Sinn, ueber den ich oben geschrieben habe, bedeutet es nicht, dass katholische Kirche solche Menschen wegwirft. Jedoch soll man nicht vergessen, dass die Eheschliessung immer mit der Unaufloeslichkeit gebunden ist, und das ist nicht das Recht, das die Kirche angeordnet hat, sondern das ist das Recht, das Gott angeordnet hat.

Werner Kern

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Werner Kern » Sonntag 14. September 2008, 22:08

Bei Verhütung sehe ich ein anderes Problem. Sie verleitet dazu, sich seiner Gefühle für den Partner nicht zu vergewissern. Es gibt keine 100% Verhütungsmittel, deshalb muss man sich schon die Frage stellen, ob man mit jemandem mit dem man Sex hat auch die verantwortung fürt ein Kind übernehmen will. Das kommt heute oft zu kurz.
Bei Frage der Wiederverheiratung schlagen zwei Seelen in meiner Brust. Gut finde ich, dass der allzu liberalen Haltung auch mal Paroli geboten wird. Viele kommen allerdings unverschuldet in die Situation. Hier denke ich ist die harte Haltung der Kirche nicht zwingend aus der Bibel abzuleiten.

Rainer B.

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Rainer B. » Sonntag 14. September 2008, 22:09

Vielleicht wäre es auch gut, wenn der Papst und die Mitglieder der Glaubenskongregation selbst Beichte bei im normalen Leben stehenden Gläubigen hören würden. Manche Verlautbarungen wären dann vielleicht anders ausgefallen. Es ist eben schon ein Unterschied, ob man nur Theoretiker ist oder Bezug zum praktischen Leben hat. Jesus war auch ganz nah bei den Menschen, bis in den Tod hinein. Interessant ist auch, dass früher als die Päpste noch verheiratet waren und Kinder hatten, die Haltung zur Sexualität und zur Wiederverheiratung Geschiedener weniger starr war. Offensichtlich gibt es doch einen Spielraum, den die Kirche hat und nicht alles ist in der Bibel zu 100% geregelt. Der Katechismus wimmelt ja auch von Augustinus Zitaten, mangels Fundstellen in der Heiligen Schrift.

Ralf H.

Re: Katholische Sexualmoral

Beitrag von Ralf H. » Montag 4. Mai 2009, 22:24

Es geht doch aber auch darum was für ein Gottesbild ich habe. Ist es ein überwachender und strafender Gott oder ist es unser Vater im Himmel, wie ihn Jesus beschrieben hat. Ich persönlich finde was Gott für gut befunden hat, können Menschen (auch nicht die Kirche) für schlecht erklären. Verklemmtheit, wie man darf nicht halbnackt ins Schwimmbad gehen, hat doch nichts mit dem Christentum zu tun. Die Umformulierung des 6. Gebots ermöglicht den Generalangriff auf jegliche sexuelle Fantasie. Meines Erachtens wird hier das Bild Gottes verdunkelt. (Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.) Auf Jesus geht das alles nicht zurück. Zur Klarstellung: Mir geht es nicht darum sexuelle Unverantwortlichkeit oder gar Perversion gutzuheißen. Im Übrigen finde ich das Forum gut.

BrunoKaiser
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Kirchlich-katholische Sittenlehre

Beitrag von BrunoKaiser » Montag 1. November 2010, 12:12

Guten Tag,

bei allen Beiträgen vermisse ich folgende Überlegungen, die ich als Kind schon gelernt habe und jetzt mit anderen Worten wiedergebe: ein Mensch entsteht bei seiner Zeugung: Gott schafft die Seele in diesem Zeitpunkt.

Es handelt sich also um den Schöpfungsakt Gottes!

Jetzt als Ehemann und Vater von zwei Töchtern kam ich auf die Formulierung: jede Frau ist ein Ort der Schöpfung. Der gesamte Kosmos wurde von Gott geschaffen und Gottes Schöpfung geschieht in jeder Frau, die gerade ein Kind empfängt. Etwas höheres kann es auf natürlichem Wege nicht geben. Alles höhere muß übernatürlich sein. Dort nämlich, in der Frau treffen sich Natur und Schöpfer. Das hat für mich ganz viele Konsequenzen:

1. Argumente wie "es geht keinen anderen etwas an" oder "zwei, die freiwillig etwas machen" ziehen nicht, weil Gott immer Betroffener ist. Viele Argumente werden vorgebracht, weil man nicht erkennt, daß jemand anders noch dabei ist.

2. Allein Gott darf sagen, was er will mit seinem Schöpfungsort. Das gilt zwar für die gesamte Moral, aber hier im allerhöchsten Maße. Es wie in seinem eigenen Haus: dort hat jeder das Recht, andere auszuschließen und zu regeln, was er möchte, daß dort geschieht.

3. Die Kirche Gottes ist unmittelbar betroffen, da sie Gottes Stimme ist. Alle Argumente gegen die Begründetheit der kirchlichen Sittenlehre fallen weg. Die kirchliche Sittenlehre ist rein und schön.

4. Es gibt wirklich sehr sehr viel Sünde in diesem Bereich. Ja es ist der natürliche Bereich, wo es am meisten Sünde gibt, weil dort am wenigsten dem entsprochen wird, was das wirklich bedeutet! Selbst in der Ehe ist viel Sünde. Wo ist der unendliche Dank, den wir dem Schöpfer schulden für seine unendlich große Tat schon wieder eine Seele geschaffen zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand in der Lage ist als Mensch aus eigener Kraft dem Schöpfer genügend zu danken, so daß in Sünde gezeugt zeitlos Gültigkeit hat. Sünde ist Fehlen von Gutem: es fehlt der Dank.

Mit freundlichen Grüßen,

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