Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

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Hans-Heinrich Schwarz, Wien

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Hans-Heinrich Schwarz, Wien » Sonntag 6. September 2009, 15:03

Liebe Leute!

Gehts: warum regt Ihr Euch denn über die doch nun wirklich von tiefem Glauben an
Gott und Jesum Christum zeugenden "Jenseitsbotschaften" auf, die der Siegener
Professor Merk (??) dem aus der Gegend von Siegen stammenden Jung-Stilling ín den
Mund legt?

Es gibt doch sooooo Vieles, das Eure Aufregung eher wert wäre!

Denn was wird doch in Foren hier aus Österreich und auch aus Deutschland alles
an Haß gegen Gott und das Christentum verbreitet und besonders die Katholische
Kirche gematschkert, ausgehinzt und beflegelt.

Harrdigatti: meldet Euch doch dort einmal zu Wort.

Djehre, Hans-Heinrich Schwarz.


Nebenbei: viele der "Jenseitserscheinungen" finden hier bei uns in Wien statt!

Heanzer

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Heanzer » Mittwoch 11. November 2009, 05:27

Jo: räscht hoast!
S'iss halt a bisserl ungewöhnlich dös oalles.

caloy
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Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von caloy » Dienstag 31. August 2010, 14:40

Vielen Dank für den Austausch .. Ich liebe es wirklich ..
Nochmals vielen Dank .. haben einen tollen Tag und
Aufenthalt sicher auch ..!
:x :x

Urs Zimmerli

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Urs Zimmerli » Samstag 20. November 2010, 18:37

Salü!

Bei "Theologie" stiess mir die "nachtodliche" Belehrungen "Vom Nutzen des Zölibats" auf.
In der "Heiligen Stadt" bringt hier Geheimrat Jung-Stilling Pros und Cons zum Zölibat.
Die Argumente sind alt und abgedroschen und bringen nichts Neues.
Was (jedenfalls für mich als Schweizerbürger) neu war, ist aber die Tatsache, dass die "Heilige Stadt" offenbar in der Eidgenossenschaft liegt!!
Auch die dort angegebene Privatoffenbarung an den Waadtländer Pfarrer David-Louis Mestral (1804-1890) kannte ich noch nicht.
Wenn ich das hier sagen darf: diese halte ich so "echt" wie angebliche Marienerscheinungen.
Aber das sollte jeder für sich entscheiden.

Tschau zämä,
Urs

Konrad Höger

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Konrad Höger » Montag 7. Februar 2011, 20:30

Lieber Herr Zimmerli:

Der Herr "Glaubrecht Andersieg" hat auch mich hintr's Licht geführt!

Als ich las:

"Ankunft in der Heiligen Stadt

Mir flossen nimmer Freudenzähren,
Fremd sind mir der Verzückung Sphären:
Und doch kam in Frohlocken ich,
Als nahte jetzt der Schnellzug sich
Der Heilgen Stadt1 und ich traf ein
An diesem Ort im Morgenschein.

Ich sah gleich zu, dass brachte schnell
Man mein Gepäck schon ins Hotel.
Derweil schritt froh ich durch die Strassen,
Die märchenhaften Reiz besassen:
Ich wähnte, dass mich Häuser küssten,
Von meiner grossen Freude wüssten.

Gang zu Sankt Peter

Entlang der Brücke dann aus Stein
Kam links des Flusses ich hinein
In den Bezirk, der heilig ist:
Der sich als Herz der Welt bemisst.
Da – höchstens noch dreihundert Meter –
Ragt auf der Kirchturm von Sankt Peter.2

Mein Herz pocht laut; ich Glück empfind;
Der Leib zu zittern gar beginnt;
Mit Freudentaumel ganz erfüllt,
Von Jubel – Ehrfurcht auch – umhüllt,
Betrete ich das Gotteshaus
Aus dem quoll so viel Heil heraus.

Ich sinke nieder, küss den Grund
Und bete mit geschlossnem Mund:
"Dank HErr, DU Allerbarmer, DIr,
Dass fand DEin reines Wort von hier
Den Weg in DEine Christenheit
Durch DEine Diener seinerzeit!..

Dachte auch ich Naivling natürlich an den Tiber und die Kuppel Michelangelos.
In Wirklichkeit ist die Rhone und der Temple de Saint-Pierre in Genf gemeint.

Die Privatoffenbarung an Pfarrer David-Louis Mestral, 1804–1890:

"GENÈVE, l'Eternel la choisit pour se révéler à l'humanité tout entière comme un Dieu jaloux et miséricordieux. Dieu, dans sa bonté, alluma dans la petite GENÈVE un flambeau de vérité et de vie. Dieu donna Genève pour retraite à l'Evangile. … Il fallut à l'Eternel une Bethléem nouvelle: il choisit GENÈVE...."

halte ich genau so wenig glaubhaft wie Sie.
Aber jeder sollte selbst entscheiden, wem er vertraut.
Viele messen ja den Bekundungen der Gospa von Medjugorje mehr Glaubwürdigkeit zu als Schriften des NT.

Immerhin wurde ja Genf im vergangenen Calvin-Jahr auch zu einer Wallfahrtsstätte.
Und wie ich vor Jahren mit eigenen Augen sah, blüht auch dort das Geschäft mit entsprechenden Devotionalien.
Warum auch nicht?
Man sollte hier sehr weitherzig sein.

Nebenbei: ich selbst wurde auf die "nachtodlichen Belehrungen" von Jung-Stilling durch das katholische Portal kreuz.net aufmerksam. Dort werden sie als Ausfluß der Hölle eingestuft.
Ich finde sie amüsant und lehrreich.

Mit Gruß aus Süddeutschland, Konrad Höger.

Hnasjörg Hofsäß

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Hnasjörg Hofsäß » Samstag 5. März 2011, 21:56

Das hängt mir zu hoch!

Die warndenden Botschaften unserer Himmelsmutter in Medjugorje werden als Phantasien von "Lügenblagen" abqualifiziert.

Die sog. "nachtodlichen Belehrungen" des Calvinisten und Freimaurers Jung-Stilling geniessen selbst in strengkatholischen Kreisen Vertrauen.

Da kann man nur noch beten!

Urs Zimmerli

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Urs Zimmerli » Mittwoch 20. April 2011, 11:46

Salü, Herr Hofsäß!

Dann beten Sie inbrünstig zur Gopsa von Medjugorje!
Vielleicht verschwindet Johann Heinrich Jung-Stilling dann aus der Geschichte!

E schöni Ziit,
Urs Zimmerli.

Hannelore

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Hannelore » Montag 25. April 2011, 11:23

Zunächst "Frohe Ostern"!

Ich will mich nach längerer Zeit auch wieder einmal hier zu Wort melden.

Herrn Zimmerli möchte ich dabei voll zustimmen.

Was da an Marienbotschaften alles ausgegeben wird, ist lächerlich und für mich als Katholikin beschämend. Und was der Engel Siona sagt, nämlich:

"Herr Liebmund", schloss an Siona,
"Man bietet ja dem Volk nicht da
Nur eine Maria, vielmehr
Sind der Marien schon ein Heer,
Die unter diesem, jenem Namen
Zur Erde hier angeblich kamen:
Als Mutter, Himmelskönigin,
Der Menschen Miterlöserin,
Geleit in Not und bei Gefahr,
Gebieterin der Engelschar;

Als aller Gnaden Spenderin,
Der Schöpfung gar Vollenderin,
Als Glanz der Kirche und ihr Licht
Erretterin beim Weltgericht
Benebst der Titel hundert rund,
Mit der Maria tat sich kund,
Als sie angeblich hier erschien
Zu unterschiedlichem Termin:
An tausend Orten schier man meint,
Dass heut Maria dort erscheint.

Die "Botschaften" sind zumeist Drohungen

Die 'Botschaften' jeweils enthalten
Meist Androhungen dergestalten,
Dass schmort im Höllenfeuer ganz,
Wer betet nicht den Rosenkranz,12
Auch wer es gar nicht auf sich bringt,
Dem Papst zu folgen unbedingt,
Selbst wenn er sonst auch treu-katholisch:
Dies stuft man ein als diabolisch.

Stets schliessen 'Botschaften' auch ein
Vorhersagen von Not und Pein:
Ein 'Wehe, Wehe!', Ängstigung
Bedrohung und Einschüchterung,
Doch jeweils nur bedingungsweise:
Wer voll sich einsetzt stets zum Preise
Der 'Himmelskönigin' bleibt frei
Von Leid und Drangsal jederlei.

Beachtet: die 'Erscheinung' spricht
Von Liebe zu dem Nächsten nicht:
Besuch bei Schwachen, Kranken, Alten,
Zu trösten sie, zu unterhalten.
Oh nein! Die Wallfahrt bringt das Heil!
'Marienkindern' wird zuteil....."

ist doch durchaus zutreffend (die Quelle ist: http://www.uni-siegen.de/~stilling/down ... glaube.pdf)

Jedenfalls enthalten die "nachtodlichen Belehrungen" von Jung-Stilling ein breites Spektrum an Lehrhaften und an anregenden Gedanken, die ausnahmslos der breiten Straße der christlichen Theologie folgen.

Hannelore.

abendrise
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Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von abendrise » Freitag 29. April 2011, 12:20

Johann Heinrich Jung-Stilling, (1740-1817): Pietist, Arzt und Ökonom, geboren 12 September 1740, in Grund bei Hilchenbach, Westfalen, Deutschland, der Sohn eines Schneiders und Schulmeister. Im Alter von 15 Jahren wurde er Lehrer an Litzel, wo er in Kontakt mit religiösen Separatisten kam, und arbeitete als Lehrer und Schneider lernten die Behandlung des Auges von einem katholischen Priester und studierte diese Wissenschaft in Straßburg (1770-1772) , Wo er die Bekanntschaft von Goethe und Herder gemacht, als Arzt in Elberfeld erwarb Ruhm für seine Operation auf Katarakt (1773-1778), referierte über technische Themen im Kameralschule bei Kaiserslautern (1778-1784) und wurde Professor in Marburg, dann in Heidelberg (1784-1803) war Ratsherr Karl Friedrich, Großherzog von Baden, in Heidelberg (18037) gemacht, und wurde schließlich durch den Herzog pensioniert und verbrachte seine letzten Jahre in Karlsruhe (1807-1817). Im Laufe seines Lebens seine erste Interesse lag im Dienst des Reiches Gottes.

Jens Unterbauer

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Jens Unterbauer » Freitag 29. April 2011, 16:31

"Im Alter von 15 Jahren wurde er Lehrer an Litzel, wo er in Kontakt mit religiösen Separatisten kam..."


Das ist nicht ganz richtig!

(1) Der Ort seiner ersten Stelle als Lehrer hieß Lützel, heute Teil der Stadt Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein.

(2) Nirgendwo ist belegt, daß Jung-Stilling in Lützel (wo er im Haus des gebildeten Forstmeisters Hans Heinrich Klein logierte) mit Separatisten in Berührung kam! In seiner "Lebensgeschichte" erwähnt er das nicht. Auch die sehr eingehende Quellenstudien von Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung (Stuttgart 1987) weiß davon nichts. Bei Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens (Kreuztal 1988) ist die Zeit in Lützel gut dargestellt. Auch hier ist zu Kontaklten mit Separatisten nicht die Rede. Vielmehr findet der junge Mann in der reichhaltigen Bibliothek des Forstmeisters den Homer in deutscher Übersetzung, von dessen Lektüre er begeistert ist.

(3) Jung-Stilling das Etikett "Pietist" umzuhängen, ist auch nicht richtig. Das hat Otto W. Hahn: Jung-Stilling zwischen Pietismus und Aufklärung (Frankfurt 1988) klar darlegelegt. Jung-Stilling war gegenüber Pietisten grundsätzlich sehr kritisch eingestellt. Hierzu vergleiche man die Zitate bei Gerhard Merk (Hrg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Kreuztal 1988), S. 36 f. Überdies war ja Jung-Stilling auch Freimaurer; dazu hat Gerhard Schwinge: Affinität und Aversion. Jung-Stillings Verhältnis zum Freimaurertum und zum Illuminatenorden, in: Erich Mertens (Hrg.): Auf den Spuren von Jung-Stilling (Festschrift Klose; Siegen 1998) im einzelnen viel ausgebreitet.

"...war Ratsherr Karl Friedrich, Großherzog von Baden, in Heidelberg (1803) gemacht, und wurde schließlich durch den Herzog pensioniert..."

Diese Aussage ist so auch nicht richtig. Wer hierzu Genaueres erfahren möchte, der nehme Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie (Basel 1963) zu Hand, wo ab S. 237 über Jung-Stillings Verhältnis zu seinem Gönner Karl Friedrich von Baden ausführlich berichtet wird.

Was die in diesem Thread diskutierten "nachtodlichen Belehrungen" anbelangt, so wird deren Hintergrund deutlich bei Jaques Fabry: Kosmologie und Pneumatologie bei Jung-Stilling (Siegen 2006). Zuvor schon hatte Anne Marie Stenner-Pagenstecher: Das Wunderbare bei Jung-Stilling (Hildesheim 1985) neben anderen Autoren auf die Neigung von Jung-Stilling zu Übersinnlichem hingewiesen.

extensionss

stimmt

Beitrag von extensionss » Freitag 29. April 2011, 21:02

da gebe ich dir recht!

Aufrechter Katholik

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Aufrechter Katholik » Mittwoch 13. Juli 2011, 19:45

Mir gibt es zu denken, daß

--- diese calvinistisch-freimaurerischen "Jenseitsbelehrungen" selbst in
strengkatholischen Kreisen beifällig diskutiert werden,

während andererseits

--- die Botschaften der Gospa vom Mejugorje gleichzeitig und von denselben
Christen als "abstrus" verleumdet werden.

Da drängt sich wohl nur *eine* Erklärung auf!

Heanzer

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Heanzer » Montag 25. Juli 2011, 20:16

Sehr geehrter Herr Aufrechter Katholik!

Schauen Sie sich einmal an, was die Gospa von Medjugorje inhaltlich und sprachlich vorbringt.

Vergleichen Sie damit einmal die Sprache und Gedankenfolge der "nachtodlichen Belehrungen".

Ich glaube, damit ist alles gesagt!

Viele Grüße aus dem Burgenland,
Heanzer.

Anita Wodak

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Anita Wodak » Montag 8. August 2011, 18:16

Sehr geehrter Herr Landsmann,

das haben Sie wirklich gut gesagt!
Man muß sich ja als Katholiken schämen, wenn man diese "Botschaften" der "Gospa" liest.
Unbegreiflich ist mir, daß Millionen Menschen dorthin pilgern.
Auch aus unserer Pfarre fährt zweimal im Jahr ein Bus mit unserem Pfarrer nach Medjugorje.
Betrüblich finde ich, daß selbst unser Wiener Kardinal glaubt, sich ausgerechnet dort Kraft holen zu müssen.
Da gebe ich den Ausführungen von Jung-Stilling bei

http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/still ... glaube.pdf

durchaus recht --- wenn ich zwar hier nicht gleich alles unterschreiben möchte.

Aus Oberösterreich grüßt Sie herzlich
Anita Wodak.

Adrienne Ruzicka

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Adrienne Ruzicka » Mittwoch 10. August 2011, 21:51

Guten Abend!

Über Google stieß ich vorhin auf ein Forum der Stadt Karslruhe


http://283884.forumromanum.com/member/f ... n=ubb_show& amp;entryid=1093291971&mainid=1093291971&USER=user_283884& threadid=1101641747

wo in einem älteren Eintrag über ein Erlebnis mit Jung-Stilling berichtet wird, der dort ja zuletzt Geheimer Hofrat war und auch in Karslruhe begraben liegt. Ich denke, daß viele Besucher dieses Threads die Geschichte interessiert. Es sind darauf viele teils skeptische, teils ähnliche Erlebnisse schildernde Zuschriften eingegangen, die in diesem Forum zu finden sind.

Hier der Text (Daxlanden -- das wußte ich auch nicht -- ist ein Vorort von Karlsruhe):

Unglaubliches, was mir am Freitag, den 25. November passiert ist, 28 Nov. 2005 23:48


Guten Abend!

Ich weiß, daß ich mich mit meinem Kurzbericht bei einigen Lesern des Forums unbeliebt mache und mich als Spinner "oute" (wie man heute so schön sagt).

Aber ich halte es für eine Gewissenssache, selbst auf die Gefahr hin, daß ich Kopfschütteln und bei einigen gar Lachen hervorrufe, mein Erlebnis darzustellen.

Am letzten Freitag hatte ich um 14 Uhr einen dienstlichen Termin in Münster. Weil ich weiß, daß am Wochenende die Autobahnen dicht befahren sind, holte ich bereits kurz vor 9 Uhr meinen Wagen aus der Garage an unserem Haus.

Meine Frau hatte mir für unterwegs eine Thermoskanne gefüllt, und für mich ein paar am Morgen beim Bäcker gekaufte, von ihr belegte Brötchen bereitet. Ich war eben dabei, den kleinen Plastikkorb auf den Beifahrersitz zu legen, damit ich unterwegs (und im Stau zumal) leichten Zugriff darauf habe.

Mein Aktentasche hatte ich schon auf den Rücksitz verstaut. Auch meinen Koffer mit den Sachen für die Übernachtung in Münster (ich mußte damit rechnen, daß die Sitzung sich bis zum späten Abend hinzieht; in diesem Fall wollte ich nicht nach Karlsruhe zurückfahren) hatte ich bereits im Kofferraum abgelegt und diesen abgeschlossen.

Da schritt ein seltsam gekleideter, groß gewachsener und sehr anmutig anzusehender Herr auf mich zu. Er sprach mich mit meinem Namen an. Er habe gehört, ich führe nach Münster?

Zuerst nahm ich an, daß ihn jemand aus unserer Firma geschickt habe; vielleicht, damit ich ihn mitnehme.

Aber irgendwie wurde es mir gleich etwas mulmig, zumal der Herr auch noch einen von mir bisher noch nie wahrgenommenen, aber sehr guten Duft ausstrahlte. Dazu gewahrte ich, daß er in goldhellem Licht vibrierte: auch das hatte ich noch nie gesehen, selbst im Fernsehen nicht.

Obwohl ich (vielleicht manchmal zu sehr) Realist und kein "Frommer" bin, war mir aber auf einmal klar, daß es sich hier um einen Geistgestalt handeln müsse.

Als ob er auf meine Frage, wer denn er sei, gewartet hätte, stellte er sich mir als Hofrat Jung-Stilling vor. Als in Durlach Aufgewachsener wußte ich sofort, wer er ist.

Hofrat Jung-Stilling sprach mich jetzt in melodischer Stimme und bestem Hochdeutsch (mir selbst hört man leider trotz aller Anstrengungen noch immer den Briganden heraus) an. Ich möge mit meinem Auto zum Bahnhof fahren und es dort parken.

Dann solle ich eine Rückfahrkarte nach Münster kaufen und den ICE nach Mannheim um 10 Uhr nehmen. Dort hätte ich sofort Anschluß mit einem ICE nach Köln, und in Köln auch wieder gleich Anschluß nach Münster.

Ohne lange zu überlegen folgte ich, wie unter einem fremden Zwang, in allem den Anweisungen des Hofrats Jung-Stilling.

Zuvor schritt ich aber noch zu meiner Frau, um ihr zu sagen, daß ich möglicherweise mit dem Zug fahren werde, weil mir das gerade empfohlen worden sei. Meine Frau nickte nur.

Wie sich dann am Abend herausstellte, hatte sie den Hofrat Jung-Stilling nicht gesehen, wiewohl sie unter der Tür stand und zusah, wie ich das Auto bepackte. Sie nahm an, daß ich auf meinem Handy eine entsprechende E-Mail von der Firma erhalten habe.

Ich kam mit dem Zug kurz vor 14 Uhr in Münster an. Ein Taxi brachte mich zu der Firma, wo ich mich mit der Geschäftsführung zu besprechen hatte. Die Unterredung dauerte zu meiner Erleichterung nur etwas über eine Stunde. Ein Firmenwagen brachte mich bis nahe dem Hauptbahnhof Münster zurück.

Mit einem ICE und diesmal nur einmaligem Umsteigen in Dortmund kam ich kurz vor 22 Uhr nach Karlsruhe zurück, holte meinen Wagen aus dem Parkhaus in der Schwarzwaldstraße und erreichte unser Haus. Noch vom Zug aus hatte ich daheim angerufen und mich angemeldet.

Meine Frau war sehr aufgeregt. Sie hatte im Fernsehen die Berichte vom Verkehrs-Chaos im Münsterland gesehen.

Jetzt erst wurde mir klar, daß auch ich 12 Stunden im Stau eingeklemmt gewesen wäre, hätte ich, wie sonst meistens üblich, den Wagen genommen.

Natürlich wird man mir jetzt sagen, dies sei eine natürlich zu erklärende Vorahnung gewesen: ich sei, wie viele Menschen auch, wetterfühlig, und mein Unterbewußtsein habe mir den Umstieg vom Auto auf den ICE signalisiert.

Wieso aber begegnete ich dann unserem Karlsruher Hofrat Jung-Stilling, den ich sah, hörte und mit der Nase witterte?

Jedenfalls möchte ich diesem meinen Dank öffentlich ausdrücken; und ich tue dies auch, indem ich dieses Erlebnis hier veröffentliche.

Daxlandener

Oliva Reinle

Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Oliva Reinle » Sonntag 9. Oktober 2011, 14:28

solche ahnungen gibt es oft.
das ist doch nichts besonderes!

Udo
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Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Udo » Montag 6. Mai 2013, 13:26

Guten Tag!

Jetzt, im Monat der "Maienkönigin", möchte ich auf die Zuschrift von Frau Anita Wodak aus Oberösterreich erinnern.

Zwar halte auch ich die Johann Heinrich Jung-Stilling in den Mund gelegte Kritik an der Marianisierung von Herrn Liebmund Kirchentreu für durchaus berechtigt.

Auch ist es schon höchst problematisch für den Kern des katholischen Glaubens, wenn seit 1900 an die 600 Marien-Erscheinungen gezählt werden, zu denen (wie Frau Wodak zurecht feststellt) die Gläubigen voller Inbrunst reisen, derweil sie vor Ort allenfalls für das Pfarrfest zu gewinnen sind.

Man sollte aber doch auch anerkennen, dass in den letzten zwanzig Jahren der Marianismus erheblich zurückgefahren wurde.
In vielen Pfarreien weigern sich heute Priester und Pastoralreferenten/innen, eine Maiandacht zu halten.
Papst Benedikt XVI hielt sich mit dem Besuch von Marien-Erscheinungsorten sichtlich zurück und setzte so ein Zeichen gegenüber seinen "marianischen" Vorgängern.

Wenn Jung-Stilling sagt:

...................."Erst später floss vom Vatikan
....................Der törichte Marienwahn:
....................Primär entsprossen zweifelsfrei
....................Verzückt-berauschter Möncherei.."

dann ist dies sicher zutreffend. Indessen sind die den "Marienwahn" in der Vergangenheit besonders befördernden Franziskaner, Kapuziner und Dominikaner inzwischen zu kleinen Gruppen innerhalb der Kirche zusammengeschmolzen; und die heutigen Jesuiten schämen sich für ihre Ordensbrüder vergangener Zeit, die den "Herz-Mariae-Kult" eingeführt haben.

Problematisch bleibt freilich die sog. "Anerkennung" von Marienerscheinungen durch "die Kirche".
Aber darüber zu sprechen, ist in diesem den "nachtodlichen Belehrungen" von Johann Heinrich Jung-Stilling gewidmeten Thread nicht der richtige Ort.

Übrigens entdeckte ich auf der von Frau Wodak zuletzt genannten Jung-Stilling-Plattform auch eine Aussprache, auf die ich hinweisen möchte:

http://www.gerhardmerk.de/gaestebuch-stilling

Leider locken auch dort die "nachtodlichen Belehrungen" von Jung-Stilling jugendliche Spaßvögel an. Aber es finden sich auch sehr einsichtige Kommentare.

Udo
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Re: Zu den "nachtodlichen Belehrungen" Jung-Stillings

Beitrag von Udo » Samstag 11. April 2015, 16:05

Was mich :( betrübt:
die Auseindersetzung über Jung-Stilling und die "nachtodlichen Belehrungen" sind hier eingeschlafen!
Dabei gäbe es :o soooo viel aus den "Jenseitsbelehrungen" zu schöpfen!
Aber offenbar hat sich die Aussprache in das dort angebotene Gästebuch verzogen.

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