Orthodox-katholische Trauungsfeier

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Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 19:31

Zu Beginn moechte ich mich bei meiner Antwort auf die Taufe beziehen.
Sie muessen sich nicht umtaufen. Es gibt verschiedene Faelle, wenn eine getaufte Person eine andere Person heiratet, die nicht getauft ist, oder die getauft ist, aber sie gehoert zu einer Kirche, die keine volle Kommunion mit der katholischen Kirche hat. Und das bedeutet nicht, dass diese Person sich umtaufen muss. Dabei geht es um Theologie. Die Menschen duerfen nur ein mal Taufe empfangen. Also wir widerholen das Sakramenten nicht. Aus diesem Sakramenten folgen verschiedene u.a. Pflichte (z.B. Sorge fuer Glauben), die Getauften verwirklichen sollen.

Wenn Ihr Partner zur russischortthodoxen Kirche gehoert, dann (wenn es um Ihre Person geht)duerfen Sie in dieser Kirche Ihre Ehe schliessen, jedoch soll ein geistlicher Amtstraeger Mitwirkung haben

Diana

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Diana » Sonntag 14. September 2008, 19:31

Hallo,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!
Mein Freund gehört der serbisch orthodoxen Kirche an, deshalb wollte ich fragen, ob es üblich / normal ist, dass man als serbisch orthodoxer auch in russisch orthodoxen oder griechisch orthodoxen Kirchen heiraten kann. Ist das von Kirche zu Kirche unterschiedlich oder spielt das keine Rolle?!
Vielen Dank schon mal für eine kurze Antwort auch auf diese Frage.

Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 19:32

Zwar beschaeftige ich mich nicht so oft mit diesen Problemen, aber es gibt natuerlich einen Unterschied zwischen orthodoxer (vielleicht habe ich das schlechte Wort benutzt) Kirche und katholischer, oestlicher Kirche. Wenn eine Person zur orthodoxen Kirche gehoert, hat sie keine volle Kommunion mit katholischer Kirche. Und indem wir ueber katholische, oestliche Kirche sagen, dann sagen wir gleichzeitig ueber katholische Kirchen. Dann geht es um Unterschied beim Ritus. Wenn Ihr Partner zur serbischen, orthodoxen Kirche gehoert, vermute ich, dass Er Ehe in solcher Kirche schliessen soll. Sie koennen natuerlich auch Ehe in katholischer Kirche schliessen. Dabei kann auch ein Geistlicher aus serbischer, orthodoxer Kirche behilflich sein, wenn es um einen Platz der Eheschliessung geht.

Britta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Britta » Sonntag 14. September 2008, 21:08

Hallo! Mein Mann und ich waren katholisch und sind vor 4 Jahren zur griechisch-orthodoxen Kirche
konvertiert. Wir haben standesamtlich geheiratet, aber mein Mann war schon einmal standesamtlich und auch kirchlich (katholisch) verheiratet, ist nun geschieden.Können wir jetzt griechisch-orthodox kirchlich heiraten??. Es wäre nett wenn mir jemand helfen könnte.Danke

Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 21:09

Sowohl die katholische Kirche als auch die griechisch-orthodoxe Kirche fordern die Unaufloeslichkeit. Was das fuer Sie beide bedeutet. Wenn Ihr Mann schon eine kirchliche Ehe geschlossen hat, aber er bekam Ehenichtigkeitserklaerung nicht, dann ist er weiter verheiratet, deshalb duerfen Sie nicht kirchliche Ehe schliessen. Wenn Ihr Mann nur standesamtlich verheiratet waere, dann sagen wir nicht ueber Hinderniss als fruehere kirchliche Eheschliessung sondern ueber ein Verbot. Das bedeutet, dass Sie beide dann eine kirchliche Ehe schliessen koennten, jedoch wuerden Sie um Erlaubnis bitten sollen. Es geht dabei darum, dass z.B. eine Partei, die standesamtlich geheiratet ist, und sie schliesst jetzt eine kirchliche Ehe, sich fuer Kinder sorgen muss, die aus dieser standesamtlicher Ehe stammen.
Also Ihr Partner soll zu Beginn pruefen, ob er wichtig seine kirchliche Ehe geschlossen hat.

Noch eine Hinzufuegung.
Ich habe geschrieben, dass "die griechisch-orthodoxe Kirche Unaufloeslichkeit fordert". Indem ich es geschrieben habe, habe ich an die griechisch-katholische Kirche gedacht. Natuerlich fordert griechisch-orthodoxe Kirche (also nicht katholische)die Unaufloeslichkeit nicht.

Nikolaj Thon

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Nikolaj Thon » Sonntag 14. September 2008, 21:12

In der vorstehenden Diskussion werden m.E. mehrere Problemkreis angesprochen (und teilweise vermischt). Daher gestatte ich mir einige generelle Anmerkungen, ohne natürlich alle konkreten Einzelfälle besprechen zu können.

Zum ersten geht es um die Frage einer gemeinsamen (so genannten "ökumenischen") Trauung von Katholiken (bzw. Protestanten) und Orthodoxen. Eine solche gibt es nach orthodoxem Kirchenrecht nicht. Die Trauung ist entweder orthodox – oder nicht. Dabei ist – zumindest für Deutschland (gemäß den entsprechenden Arbeitsergebnissen der gemeinsamen Kommissionen zwischen DBK und Griechisch-Orthodoxer Metropolie, die in der Praxis gesamtorthodox rezipiert worden sind, bzw. zwischen EKD und Orthodoxer Kirche in Deutschland) allerdings möglich, dass der jeweils andere Amtsträger bei der Trauung der anderen Konfession anwesend ist und zu Beginn und Ende Gebete bzw. einen Segen spricht. Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es sich um eine orthodoxe (oder ggf. auch nicht-orthodoxe) Trauung handelt. Eine Vermischung der Riten (und erst recht der kirchlichen Anbindung!) ist weder vorgesehen noch möglich.

Zweitens: Nach orthodoxer Auffassung spendet der Priester (bzw. Bischof) die Sakramente, auch das der Trauung. Die römisch-katholische Lehre, nach der die Eheleute durch ihre Erklärung Spender der Trauung sind, wird von der Orthodoxen Kirche nicht akzeptiert. Das heißt: Damit eine nach orthodoxem Verständnis gültige Trauung erfolgt, muss diese von einem Priester (nicht einem Diakon!) gespendet sein, wobei die Frage der Gültigkeit nicht-orthodoxer Sakramente in der orthodoxen Theologie nicht eindeutig und einmütig geklärt ist. In der Regel werden aber von einem katholischen, einem altorientalischen und wohl auch alt-katholischen Priester gespendete Sakramente als gültig angesehen. Ein Problem entsteht hier in der Praxis, wenn eine römisch-katholische Ehe vor dem Diakon, nicht einem Priester geschlossen wurde. Diese ist nach orthodoxem Recht nicht als sakramental einzustufen.

Drittens: Die Orthodoxe Kirche tritt zwar eindeutig auch für die Unauflöslichkeit der Ehe ein (sogar über den Tod hinaus!), billigt solchen, deren Ehe zerbrochen ist, aber nach Prüfung durch das bischöfliche Gericht im Sinne der Oikonomia zu, ggf. ein zweites (und drittes) Mal zu heiraten. Eine mehr als dreifache Eheschließung ist nicht möglich, auch wenn die beiden ersten Partner verstorben sind, da der irdische Tod kein Ende der sakramentalen Beziehung bedeutet. Also auch im Falle des Todes des Ehegatten erhält der überlebende nur als Zugeständnis an seine Schwäche das Recht zur zweiten (und ggf. dritten) Eheschließung.
Damit entsteht ein weiteres kanonisches Problem zwischen orthodoxem und römisch-katholischem Recht: Während die Orthodoxe Kirche einem solchermaßen in seiner ersten (und ggf. auch zweiten) Ehe Gescheiterten – nach entsprechender Prüfung allerdings und keineswegs automatisch – das Recht auf eine neue sakramentale Eheschließung zubilligt, die aber in ihrer liturgischen Ordnung einen deutlichen Bußcharakter trägt bzw. tragen sollte (wenn es für einen der Partner die erste Eheschließung ist, wird in der Praxis auf die Anwendung des zweiten Ritus mit seinem Bußcharakter des öfteren verzichtet!), ist dies bekanntlich nach römischem Recht und katholischer Theologie nicht möglich. Umgekehrt erlaubt die römische Ordnung ja nach dem Tode der Gatten eine unbeschränkt große Zahl von Eheschließungen.

Da auch die Römische Kirche die Gültigkeit der orthodoxen Mysterien (Sakramente) anerkennt, kann es also zu dem Fall kommen, dass ein orthodoxer Christ, der einen anderen orthodoxen (oder auch anderen) Christen gültig sakramental geheiratet hat, für die Römische Kirche weiterhin als verheiratet gilt, wie mehrere Urteile der Rota bestätigt haben, während ihm die Orthodoxe Kirche das Recht auf eine erneute Heirat – wenn auch widerstrebend – zubilligt.

Noch eine letzte Anmerkung: Eine Eheschließung eines Orthodoxen mit einem Ungetauften, sei es ein Heide, Jude, Muslim oder ein Atheist, ist nach orthodoxem Recht in keinem Falle möglich; hier gibt es auch keine Sondergenehmigung.
Ein kirchenrechtliches Problem kann allerdings da entstehen, wo die Gültigkeit einer nicht-orthodoxen Taufspendung fraglich ist. Dies gilt sicher für Gruppen wie die Mormonen, Zeugen Jehovas usw. Aber es gibt eine Reihe orthodoxer Kanoniker, die auch bei etlichen der so genannten evangelischen "Freikirchen" Zweifel an der Gültigkeit von deren Taufspendung haben, einige (wenige) sehr rigorose würden sogar die Gültigkeit aller außerhalb der Orthodoxen Kirche gespendeten Sakramente – also auch der Taufe – in Frage stellen (nach dem Prinzip "extra ecclesia nulla salus") und dann von solchen Brautleuten eine Taufe in der Orthodoxen Kirche vor einer eventuellen orthodoxen Eheschließung fordern.
Dies gilt aber nicht für Deutschland: Hier hat die Orthodoxe Kirche durch die Unterzeichnung der Taufanerkennung in Magdeburg 2007 die Gültigkeit der römisch-katholischen, altkatholischen, anglikanischen, lutherischen, reformierten und natürlich der alt-orientalischen Taufen anerkannt.

Anna

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Anna » Sonntag 14. September 2008, 21:13

hallo mein freund ist serbisch-orthodox und ich katholisch.wir haben ein kind das orthodox getauft werden soll und am gleichen tag möchten wir auch heiraten. ist das alles möglich?

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 21:13

Wenn Ihr Kind am Tag Ihrer kirchlichen Trauung in der serbisch-orthodoxen Kirche getauft werden soll, ist es wohl am besten, wenn Sie Ihre Ehe auch in der serbisch-orthodoxen Kirche schließen (also nicht in der katholischen).

Auf jeden Fall kann eine kirchliche Trauung zusammen mit einer Taufe gefeiert werden. Wenden Sie sich dafür einfach an den serbisch-orthodoxen Geistlichen, der für Ihren Wohnsitz zuständig ist.

Für Sie als Katholikin ist noch wichtig: Nehmen Sie auch Kontakt auf mit dem für Ihren Wohnsitz zuständigen katholischen Pfarrer. Über ihn können Sie um eine Befreiung von der katholischen Eheschließungsform bitten, die Sie als Katholikin aus der Sicht Ihrer Kirche normalerweise einhalten müssten (Sie müssten sich also normalerweise von einem katholischen Geistlichen trauen lassen).

Matthias

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Matthias » Sonntag 14. September 2008, 21:14

ökumenische Verlobung?
Sehr geehrter Hr. Frank,
Meine Verlobte in spe ist russiscch orthodoxe Christin ,Ich römisch-katholischer Christ.
Sie war bereits einmal verheiratet. die ehe wurde kirchlich geschieden.

2 Fragen:
1.In der Orthoxie feiert man eine Verlobung in der Kirche.kann man diese ebenfalls ökumenisch gestalten? also unter beisein eines röm-kath. Priesters.gilt diese Verlobung ebenfalls für mich?
2. ist eine Prüfung des kath.Gerichts notwendig wenn die ehe bereits von der orthodoxen Kirche geschieden wurde?
Herzlichen Dank für die Informationen,
Mit frendlichen Grüßen,
Matthias

Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 21:14

Guten Tag,
Ihre Partnerin hat schon frueher zwei mal Ehe geschlossen. Also, wenn Sie mit Ihr Ehe schliessen moechten, soll Sie sich um Ehenichtigkeitserklaerung in einem zustaendigen Offizialt bemuehen. Eine Ursache liegt daran, dass Ihre Partnerin mit Ihnen Ehe schliessen moechte, und Sie gehoeren zur katholischen Kirche, deshalb darf ein Offizialat sich damit beschaeftigen. Wir sollen nicht vergessen, dass die Ehe unaufloeslich ist.
Wenn Ihre Partnerin zwei positive Urteile bekommen wird, kann man erst dann ueber Ehe mit Ihnen sprechen, deshalb vermeide ich jetzt ein Problem, das mit der Mischehe und Formpflicht gebunden ist.

Matthias

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Matthias » Sonntag 14. September 2008, 21:14

Guten Tag Frau Bolesta,
Vielen Dank für Ihre Antwort. wenn ich das richtig verstehe muss sie mit ihrer orthodoxen Ehenichtigkeitserklaerung ihrer ersten Ehe zu katholischen Ehegericht gehen und sich das von der kathoischen Kirche nochmals bestätigen lassen.(sie war ja nicht zweimal verheiratet)

In der Orthoxie feiert man eine Verlobung in der Kirche.kann man diese ebenfalls ökumenisch gestalten? also unter beisein eines röm-kath. Priesters.gilt diese Verlobung ebenfalls für mich?

mit freundlichen Grüßen,
Matthias

Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 21:15

Guten Tag,
zu Beginn entschudige ich Sie, als ich geschrieben habe, dass Ihre Partnerin zweimal Ehe geschlossen habe.

Ja, Sie haben mich gut verstanden. Also Ihre Partnerin soll zu einem zustaendigen Offizialat gehen, damit er sich mit Ihrer Ehenichtigkeitserklaerung beschaeftigen kann.

Wenn es um Ihre zweite Frage geht, bin ich leider nicht imstande Ihnen eine ganze Antwort zu geben. Jedoch glaube ich: solche Verlobung wird natuerlich keine rechtlichen Folgen haben, d.h. Sie sind danach nicht gezwungen, Ehe mit Ihrer Partnerin zu schliessen. Ich glaube auch, wenn ein katholischer Priester dabei sein wird, soll man alle Elemente Glauben behalten, die zur roem-katholischen Kirche gehoeren. Aber - wie ich freuher geschrieben habe - ich finde meine Antwort nich voll.

Reiner Erl

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Reiner Erl » Sonntag 14. September 2008, 21:15

Nachfrage zu Mathias

Die Sakramentsauffassung der Katholischen und der Orthodoxen Kirche sind doch identisch. Wieso muß dann ein kirchliches Urteil der Orthodoxen Kirche nochmals von der Katholischen Kirche bestätigt werden?

P.S.
Vielleicht liegt hier auch ein Mißverständnis vor. Die Sakramentspraxis weicht bei beiden Kirchen voneinander ab, nicht aber die Auffassung. Nun haben aber die Orthodoxe Kirche und die unierten Ostkirchen eine identische Sakramentspraxis. Falls ein Urteil einer unierten Ostkirche vorliegen würde, müßte dieses dann auch durch ein Kirchengericht der lateinischen Kirche bestätigt werden oder wird dies innerhalb der katholischen Kirche akzeptiert?

Arletta Bolesta

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Arletta Bolesta » Sonntag 14. September 2008, 21:16

Guten Tag,
Mathias hat ueber solche Kirche geschrieben, zu der Ihre Partnerin gehoert, die keine volle Kommunion mit der katholischen Kirche hat. In solcher Kirche wird die Unaufloeslichkeit der Ehe nicht angenommen, deshalb habe ich geschrieben, dass Herr Mathias - falls Er die Ehe mit Ihrer Partnerin schliessen wird, zu einem kompetenten Offizialat gehen soll.

Nikolaj Thon

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Nikolaj Thon » Montag 4. Mai 2009, 21:50

Die Orthodoxe Kirche und die unierten Ostkirchen haben keineswegs im Blick auf die Ehe die gleiche Sakramentenpraxis. Während das unierte Eherecht hier dem "lateinischen" entspricht, also allenfalls eine Nichtigkeitsfeststellung der
vorherigen Eheschließung als Möglichkeit für eine neue Eheschließung kennt, ist in der orthodoxen kanonischen Praxis auch, wie schon vorstehend einmal gesagt, die Möglichkeit einer Feststellung der Nicht-mehr-Existenz einer durchaus gültig geschlossenen Ehe möglich und dann - kat' oikonomian (also aus pastoraler Nachsicht) - eine zweite und ggf. sogar eine dritte nachfolgende Eheschließung möglich (eine vierte sakramentale Ehe ist - selbst bei Tod der drei vorhergehenden Partner - nach orthodoxem Kirchenrecht in keinem Falle möglich).

Auf den konkreten Fall angewandt, heißt das:
Da die orthodoxe Verlobte eine kirchliche "Scheidung" (richtiger: die Feststellung, dass die Ehe nicht mehr existiert) erhalten hat, steht orthodoxerseits einer neuen sakramentalen Eheschließung nichts entgegen (vorausgesetzt natürlich, dass es keine sonstigen Ehehindernisse gibt, auch nicht beim römisch-katholisachen Partner!). Streng genommen, ist dann eine andere Ordnung des Traugottesdienstes mit einem deutlichen Bußcharakter (und ohne die eigentliche Krönung) zu verwenden, die deutlich macht, dass die Kirche nicht die Einmaligkeit der Ehe prinzipiell in Frage stellt, sondern lediglich aus Liebe zum gefallenen Menschen ihm auch in der Ehe - um es salopp zu sagen - "eine zweite Chance" gibt. In der Praxis wird allerdings zumeist doch das erste Formular verwandt, besonders, wenn diese Eheschließung für den anderen Partner seine oder ihre erste ist. Das muss im Zweifelsfall mit dem Ortspfarrer (ggf. dem Bischof) abgeklärt werden.

Inwieweit diese - für die Orthodoxe Kirche eindeutig sakramentale - zweite Ehe dann allerdings auch in römisch-katholischer Sicht als gültig zu betrachten ist, kann ich nicht sagen und sollte von den römisch-katholischen Kanonisten in diesem Forum beantwortet werden.

Zur 2. Frage: Um eventuellen Problemen bezüglich der Verlobung und ihrer Rechtskraft bei einer nicht nachfolgenden Eheschließung aus dem Wege zu gehen, wurde schon in byzantinischer Zeit verfügt, dass die Verlobung in der Orthodoxen Kirche unmittelbar der Eheschließung (Krönung) zeitlich vorangeht, d.h. in der Praxis quasi als erster Teil der Trauzeremonie erscheint und nicht losgelöst von ihr.

Somit ergibt sich die Antwort auf den "ökumenischen" Charakter von selbst: Sowenig die Orthodoxe Kirche eine gemischte Trauung erlaubt, so wenig auch eine gemischte Verlobungsfeier. ALLERDINGS: Sowohl nach der Regelung, die offiziell von dem Verband der orthodoxen Diözesen Deutschlands mit der EKD abgeschlossen worden ist, wie auch in den entsprechenden gemeinsamen Papieren der Griechisch-Orthodoxen Metropolie mit der (römisch-katholischen) Deutschen Bischofskonferenz ist vorgesehen, dass der katholische Priester bzw. der evangelische Pfarrer, wie ja auch im ersten Eintrag dieses Forums geschildert, zu Beginn der Feier (wenn man ganz korrekt sein will: vor Beginn der orthodoxen Trauung) und danach mit einer Eröffnung, einem Segensgebet, einer Ansprache o.ä. auch tätig werden kann. Ob er auch ggf. im orthodoxen Traugottesdienst selbst etwa durch Vortrag der Lesungen selbst in Erscheinung treten kann, ohne dass eine Konzelebration stattfindet, muss der Entscheidung des jeweiligen orthodoxen Ortspfarrers überlassen bleiben. Dies gilt dann sowohl für die Trauung wie ggf. für die Verlobung.

Ralf

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Ralf » Donnerstag 16. Juli 2009, 13:39

Hallo!

Ich möchte mal für Interessierte darlegen, wie meinee/unsere Trauungs/Krönungsliturgie ablief. Vorneweg: es fand in einer orthodoxen Kirche statt, zelebriert von einem orthodoxen Priester und einem katholischen Priester.

Laut Ansicht der beiden Priester waren die Kernelemente beider Riten vorhanden (hier wird der byzantinische der Einfachheit halber orthodox genannt), anwesend waren sowohl Paten (orthodox) als auch Trauzeugen (katholisch). Inwieweit es nach orthodoxem Kirchenrecht möglich ist, solche Kernelemente festzustellen bzw. ob es eine Anweisung gibt, daß es immer alle(!) Bestandteile des byzantinischem Ritus sein müssen, entzieht sich meiner Kenntnis.

(O=orthodox, K=katholisch)


O Einzug in die Kirche
O+K Grusswort
K Bereitschaftserklärung
O Ectenien/Fürbitten
O Langes Gebet
O Krönung
K Segnung der Ringe (auf dem Evangelium, was Teil des orthodoxen Ritus ist)
K Vermählung mit Ja-Wort
K Amtliche Bestätigung
O+K Segnung
O Tanz des Jesaja (auch mit den Trauzeugen)
O Honig und Plätzchen
O Kronen weg
O+K Evangelium (Hochzeit zu Kana, der orthodoxen Tradition folgend)
O+K 2 Predigten

(man verzeihe die z.T. lapidare Wortwahl)

Noch anzumerken wäre, daß der orthodoxe Part komplett auf rumänisch erfolgte (natürlich gesungen bis auf die Predigt), was von niemandem der anwesenden deutschen Gäste als störend oder wirklich "schade" empfunden wurde.

Diesen genannten Ablauf hatten wir als Paar zusammen mit den beiden Priestern bei einem gemeinsamen Abendessen erarbeitet.

Ralf

Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Ralf » Mittwoch 12. August 2009, 15:08

Noch ein Nachtrag: katholischerseits war es offiziell eine "Orthodoxe Trauung mit katholischer Assistenz", was man schon im Vorfeld mit dem katholischen Priester klären sollte.

Und: es war wunderschön.

Zur Nachahmung empfohlen.

Nora

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Nora » Mittwoch 7. Oktober 2009, 11:42

hallo!

Ich habe folgendes Anliegen: Ich bin in Österreich aufgewachsen und koptisch orthodoxen glaubens. Mein Verlobter ist römisch- katholisch. Wäre eine gemeinsame Trauung hier möglich. Wir sind beide gläubig und jeder will den ritus seiner religion beibehalten. Wäre es also irgendwie möglich beides in einer Zeremonie zu vereinbaren? Würden Pfarrer das überhaupt machen? Mein Bruder hat vor kurzem geheiratet er ist ebenfalls kopt.orth. und seine Frau bulgarisch orth. Der bulgarische Pfarrer hatte sich allerdings geweigert sie mit einem Kopten zu trauen. Und das obwohl sie beide orthodox sind! Daher habe ich angst, dass es mit dem kopt.orth. und röm. kath. Glauben nicht einfacher werden wird. Ich hoffe sie können mir helfen!

Vielen lieben Dank!

Nora

Engelbert FRANK

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert FRANK » Freitag 16. Oktober 2009, 12:30

In der Handreichung der Gemeinsamen Kommission der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der römisch-katholischen Kirche in Deutschland vom September 1993 heißt es: "Es ist [...] - in Form einer freien Übereinkunft - möglich, zur katholischen bzw. orthodoxen Feier der Trauung den jeweils anderen Pfarrer einzuladen, z. B. ein Gebet zu sprechen oder eine Ansprache zu halten." Ob die koptisch-orthodoxe Kirche allgemein und im Besonderen der koptisch-orthodoxe Geistliche, der für Sie zuständig ist, zu einer solchen freien Übereinkunft bereit ist, müssten Sie erfragen. Auch das Einverständnis des für Ihren Verlobten zuständigen katholischen Pfarrers ist erforderlich.

Tom

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Tom » Mittwoch 10. Februar 2010, 17:40

Ist hier eine kirchliche Heirat möglich?
Frau: römisch-katholisch, ledig
Mann: bulgarisch-orthodox, geschieden, keine kirchliche Trauung, jedoch standesamtliche Heirat (1. Partnerin: jüdisch)

Viele Grüße

Tom

Wiebke
Beiträge: 39
Registriert: Mittwoch 23. September 2009, 23:20

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Wiebke » Donnerstag 11. Februar 2010, 01:04

Tom hat geschrieben:Ist hier eine kirchliche Heirat möglich?
Frau: römisch-katholisch, ledig
Mann: bulgarisch-orthodox, geschieden, keine kirchliche Trauung, jedoch standesamtliche Heirat (1. Partnerin: jüdisch)

Viele Grüße

Tom
Und ich dachte, ich sei unschlagbar im Ausdenken von außergewöhnlichen Fallgestaltungen... Aber das richtige Leben schlägt einen ja immer!

Auf den ersten Blick würde ich ja sagen, hier ist can. 781 CCEO einschlägig, wonach der bulgarisch-orthodoxe Mann zumindest in kirchlicher Form hätte heiraten müssen, damit die Ehe aus katholischer Sicht formgültig ist.

Wenn die Ehe aber nach dem Recht der unierten katholischen Kirchen ungültig ist, dann kann sie doch kaum für die Lateinische Kirche gültig sein.

Deswegen gehe ich mal davon aus, dass die standesamtliche Ehe des Mannes hier für die katholische Kirche (sowohl lateinisch als auch uniert) formungültig ist. Dann stünde einer Eheschließung mit der Katholikin wohl nichts Entscheidendes entgegen.

Aber ich würde da auch gerne die Meinung eines richtig studierten Kanonisten lesen...

Nikolaj Thon

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Nikolaj Thon » Mittwoch 17. März 2010, 07:23

Wenn eine orthodoxe Trauung geplant sein sollte, so gibt es ebenfalls kein prinzipielles Hindernis, da die erste Ehe des orthodoxen Mannes keine sakramentale, sondern njur eine zivile war.

Orthodoxe Trauungen zwischen einem Orthodoxen und einer Katholikin sind ebenfalls generell möglich, allerdings wird ggf. das Versprechen der orthodoxen Erziehung der Kinder verlangt. Näheres muss hier mit der jeweiligen Diözese bzw. dem Pfarrpriester geklärt werden.

nana

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von nana » Sonntag 21. März 2010, 23:53

Grüss Gott

Mein Verlobter ist röm.-kath. und ich bin serb.orth.. und wir wollen unbedingt kirchlich heiraten. Wo ist es möglich in beiden Kirchen zu heiraten? Wir hatten in Bosnien gefragt und dort wurde dies abgelehnt. Die Schwester von meiner besten Freundin, hat einen röm.kath. Ungaren geheiratet und ist selbst rumänisch Orthodox. Sie konnten am selben Tag in beiden Kirchen heiraten..ich glaube sogar am selben Tag und nacheinander...(Ich hatte es nur auf Videos und Fotos gesehen und von meiner Freundin gehört, deshalb bin ich momentan nicht sicher was den zeitlichen Ablauf anbelangt) also zuerst in der einen und dann in der andern Kirche. Nun würden wir das am liebsten auch so machen. Für mich ist es einfach ausgesprochen wichtig, dass ich orthodox heiraten kann, weil ich mich nur dann als vor Gott verheiratet fühle. Mein geistlicher Vater hat mir einmal gesagt, dass dies in spez. schon möglich sei, er selber aber keine Heiraten vornehme und ich dies deshalb mit einem Priester in der nähe meines (mittlerweile ehemaligen) Wohnorts besprechen soll, der mehr Erfahrung darin hat. Ich werde dies auch tun, möchte mich nur im Vorfeld noch nach weiteren Erfahrungen und Wissen erkundigen.

Mit freundlichen Grüssen und Dank
nana

Engelbert FRANK

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert FRANK » Montag 22. März 2010, 17:16

Die katholische Kirche legt darauf Wert, dass Ehen nur in einer einzigen religiösen Trauungsfeier geschlossen werden (can. 1127 § 3 Codex Iuris Canonici [katholisches Gesetzbuch]). Deshalb empfehle ich Ihnen, wenn Sie in orthodoxer Form heiraten wollen, bei dem katholischen Pfarrer Ihres Verlobten um eine Dispens (Befreiung) von der katholischen Eheschließungsform zu bitten. Dann kommt mit der orthodoxen Trauung auch eine für die katholische Kirche gültige Ehe zustande.

nana

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von nana » Donnerstag 8. April 2010, 16:24

Vielen Dank für die Antwort

Gibt es nur diese Möglichkeit? Was denken Sie, wie war es möglich, dass die Schwester meiner Freundin in beiden Kirchen heiraten konnte?

Freundliche Grüsse
nana

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