Orthodox-katholische Trauungsfeier

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Engelbert Frank

Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:20

Für die Mitwirkung eines katholischen Geistlichen bei einer Trauung nach orthodoxem Ritus gibt es noch keine Absprachen zwischen den Kirchenleitungen. Es finden aber vereinzelt trotzdem schon orthodox-katholische Trauungsfeiern statt. Mich würde interessieren, welche Erfahrungen damit gemacht werden.

Ein Pfarrer aus unserer Diözese (Rottenburg-Stuttgart) hat mir folgenden Erfahrungsbericht geschickt: "Wir führten gemeinsam das Brautpaar in die Kirche. Danach folgte die komplette orthodoxe Liturgie mit all ihrem liturgischen Reichtum (Küssen des Evangeliars, Anstecken der Ringe, Krönung, dreimaliges Herumziehen um das Evangeliar - da zog auch ich mit, während die Leute Reis auf das Brautpaar warfen, Reichen des Weinbechers; Brot wurde nicht ausgeteilt). Für die Teile, die beim Ringanstecken und der Krönung der Braut gesprochen wurden, verwendete der orthodoxe Geistliche deutsche Texte. Ansonsten war alles in Griechisch. Das Vaterunser wurde in verschiedenen Sprachen simultan gebetet. Erst nach Abschluss der Liturgie kam ich wieder dran. Ich sagte ein paar deutende Worte zum Thema Ehe, ich bat das Paar, sich die rechte Hand zu reichen, legte die Stola um ihre Hände und bestätigte so den Bund von katholischer Seite. Anschließend erteilte ich den Trausegen. Insgesamt war ich also aktiv am Anfang und am Schluss beteiligt. Es waren eher zwei Liturgien hintereinander. Aber im Kontext der orthodoxen Liturgie hat das durchaus seinen Platz und wirkt nicht aneinander gereiht."

P. Wolfgang Bastian

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von P. Wolfgang Bastian » Sonntag 14. September 2008, 19:20

Hierzu folgendes:
Bekam gestern einen Anruf von einem Bestattungsinstitut aus Emden: Als orthodxer Geistlicher sind Sie zuständig für eine Bestattungsfeier bzw. Gedächtnisfeier!...

Daraufin bat ich den römisch katholischen Priesterbruder, ob er dies im Namen GOTTES übernehmen könnte und würde? Die Antwort war, JA! In diesem Sinne,
Gelobt sei JESUS CHRISTUS!

Ihr P.Wolfgang Bastian
Christliche Orthodoxe Katholische Gemeinde Lauterbach-Bregana

Palakos

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Palakos » Sonntag 14. September 2008, 19:21

Wiederverheiratung nach Scheidung

Wieso wird in der katholischen Kirche hiermit je nach Teilkirche unterschiedlich verfahren? Das strenge Wiederverheiratungsverbot nach einer Scheidung gilt nur für Katholiken der lateinischen Teilkirche. Die mit der römischen Kirche unierten Ostkirchen erlauben nach einer Bußzeit eine erneute Heirat auch zu Lebzeiten des früheren Ehepartners. Ist das Wiederverheiratungsverbot nach Scheidung wirklich ein göttliches Gebot wie Papst Johannes Paul II ausgeführt hat oder ist es lediglich eine teilkirchliche Rechtsvorschrift, die auch geändert werden könnte. Kann es sein, dass eine Wiederverheiratung bei einem lateinischen Katholik Ehebruch und damit eine schwere Sünde ist, bei einem unierten Katholik aber nicht? Ist das wirklich im Sinne Jesu?

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:21

Mir ist nicht bekannt, dass nur für die Katholiken der lateinischen katholischen Kirche das strenge Wiederverheiratunsverbot gilt, nicht aber für die Katholiken der orientalischen katholischen (mit Rom unierten) Kirchen. Ein Unterschied besteht allerdings zu den (nicht mit Rom unierten) Ostkirchen.

Anna & Dimi

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Anna & Dimi » Sonntag 14. September 2008, 19:22

Hallo
wir bereiten uns gerade auf unsere kirchliche Trauung im April vor. Standesamtlich sind wir seit Januar schon verheiratet. Mein Mann ist gr.ortho. und ich bin röm.-kath.
Beide Pfarrer haben uns zugesagt zu einer gemeinsamen Zeremonie für die kirchliche Trauung.Unser Gespräch mit beiden Pfarrern wird Mitte Februar statt finden.
Jetzt ist uns zu Ohren gekommen das die kathol. Kirche andere Regelungen zur Wiederheirat geschiedener hat. Darüber haben wir uns bisher keine Gedanken gemacht. Aber auch uns trifft dieses Thema, da mein Mann schon einmal standesamtl. geheiratet hat. Kann uns jemand über die Vorgehensweise etwas sagen? Wir dachten bisher das die kirchliche Trauung zählt und man kein zweites Mal in der Kirche heiraten kann. Dass wäre ja bei uns der Fall. Was wird jetzt auf uns zu kommen? Wird die Trauung problemlos stattfinden können,mit beiden Zeremonien, wie bisher besprochen?

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:22

Es ist richtig, dass die katholische Kirche andere Regeln zur Wiederheirat hat als zum Beispiel die orthodoxe Kirche, zu der Ihr Mann gehört. Da er schon einmal standesamtlich verheiratet war, ist eine neue, auch für die katholische Kirche gültige Eheschließung mit Ihnen als Katholikin erst möglich, wenn die zerbrochene Ehe Ihres Mannes von der katholischen Kirche überprüft worden ist.

Am besten wäre es, wenn Sie sich direkt an ein katholisches Kirchengericht (auch Offizialat oder Konsistorium genannt) wenden würden. In der Regel kann bereits bei einem Telefongespräch geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen eine katholische oder, wie in Ihrem Fall, eine "ökumenische" Trauung (bei der ein griechisch-orthodoxer und ein katholischer Geistlicher beteiligt sind) möglich ist.

Wenn Sie sich am Bischöflichen Offizialat Rottenburg informieren wollen, können Sie bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Sie finden uns auch im Internet unter www.drs.de (Diözese, Diözesanleitung, Offizialat, Informationen zur Institution Offizialat und ihrer Aufgaben, Publikationen).

Engelbert Frank

Palakos

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Palakos » Sonntag 14. September 2008, 19:23

Wiederverheiratung bei Unierten Kirchen

Im Buch "Die Unauflöslichkeit der Ehe und der kirchliche Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen" von Gerhard Tenholt, ISBN 3-8258-4353-x wird die andere Verfahrensweise der mit Rom unierten Ostkirchen beschrieben. Diese lehnen sich an die Praxis der orthodoxen Kirchen an. Ihre Meinung wäre hierzu interessant für mich. Wenn das Wiederverheiratungsverbot zu Lebzeiten des früheren Ehepartners nur eine teilkirchliche Rechtsvorschrift ist, könnte es doch auch für die lateinische Teilkirche aufgehoben werden. Vielen Dank für Ihre Antwort.

Michela

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Michela » Sonntag 14. September 2008, 19:23

Hallo!
mein Verlobter und ich bereiten uns auf die katholische Eheschlissung in Rom im Kuli 2007 vor. Wir sind beide römisch-katholisch, aber er hat schon einmal griechisch-orthodox (ohne katholische Paralleltrauung!) geheiratet. Die Ehe ist vor ein paar Jahren geschieden worden. Ich möchte gerne wissen, ob etwas gegen eine katholische Trauung sprechen kann?

Danke!
Michela Luiselli

Tanja

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Tanja » Sonntag 14. September 2008, 19:24

Hallo!!!
Ich habe mir die letzten Beiträge genau durch gelesen, doch leider konnte ich auf meine Frage keine Antwort finden...
Mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, ob ich meinen Lebensgefährten kirchlich heiraten kann.
Da mein Lebensgefährte schon einmal kirchlich (evangelisch) geheiratet hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihm trotzdem noch vor dem Altar das Jawort geben kann. Ich bin römisch katholisch (habe noch nie geheiratet)und mein Lebensgefährte griechisch orthodox.
Es wäre nett, wenn mir diese Frage jemand beantworten könnte!

Vielen Dank!!!!
Tanja

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:25

@ Palakos

Ich habe das Buch "Die Unauflöslichkeit der Ehe und der kirchliche Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen" von Gerhard Tenholt, ISBN 3-8258-4353" zur Ausleihe bestellt. Sobald ich es erhalten und gelesen habe, werde ich Ihnen antworten.


@ Michaela (19.02.2007)

Seit dem 25.03.1967 anerkennt die katholische Kirche auch für Katholiken, die einen orthodoxen Christen heiraten, die orthodoxe Eheschließungsform. Das heißt, die frühere Ehe Ihres Verlobten wurde für die katholische Kirche der Form nach gültig geschlossen, obwohl keine katholische Trauung stattfand.

Nach dem, was Sie schreiben, können Sie also nicht ohne Weiteres Ihre Ehe in der katholischen Kirche schließen. Es müsste zuerst die zerbrochene Ehe Ihres Verlobten genauer von der katholischen Kirche geprüft werden. Vielleicht wurde die Ehe aus anderen Gründen (nicht wegen einer mangelhaften Eheschließungsform) für die katholische Kirche ungültig geschlossen.

Da die Prüfung, ob eine Ehe kirchlich ungültig geschlossen wurde, manchmal längere Zeit dauert, empfehle ich Ihnen, dass Sie sich gleich an ein katholisches Kirchengericht (auch Erzbischöfliches/Bischöfliches Offizialat oder Konsistorium genannt) wenden.

Wenn Sie sich am kirchlichen Gericht der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart (Bischöfliches Offizialat Rottenburg) informieren wollen, können Sie bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Sie finden uns auch im Internet unter http://recht.drs.de ("Bischöfliches Offizialat" anklicken).


@ Tanja (21.02.2007)

Da Sie römisch-katholisch sind und noch nie verheiratet waren, besteht auf Ihrer Seite kein Hindernis für eine katholische Trauung. Anders ist es aber bei Ihrem Lebensgefährten, der griechisch-orthodox ist und schon einmal standesamtlich und in evangelischer Form eine Ehe geschlossen hat (wahrscheinlich mit einer evangelischen Frau).

Bevor Sie sich in der katholischen Kirche trauen lassen können, muss von der katholischen Kirche genauer geprüft werden, ob die zerbrochene Ehe Ihres Lebensgefährten für die katholische Kirche ungültig geschlossen wurde. Das wäre der Fall, wenn Ihr Lebensgefährte seine erste Ehe nicht vor der orthodoxen Kirche geschlossen hätte. Es gibt aber auch noch andere von der katholischen Kirche anerkannte Gründe für die Ungültigkeit einer Eheschließung.

Da die Prüfung, ob eine Ehe für die katholische Kirche ungültig geschlossen wurde, manchmal längere Zeit dauert, empfehle ich Ihrem Lebensgefährten, dass er sich gleich an ein katholisches Kirchengericht (auch Erzbischöfliches/Bischöfliches Offizialat oder Konsistorium genannt) wendet.

Wenn sich Ihr Lebensgefährte am kirchlichen Gericht der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart (Bischöfliches Offizialat Rottenburg) informieren will, kann er bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Er findet uns auch im Internet unter http://recht.drs.de ("Bischöfliches Offizialat" anklicken).

Tanja

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Tanja » Sonntag 14. September 2008, 19:25

Lieber Herr Engelbert Frank, ich danke Ihnen, dass Sie sich meinem Problem angenommen haben. Ich wünsche Ihnen auf Ihren weiteren Lebensweg alles Gute. Vielen Dank.
Liebe Grüße Tanja

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:26

@ Palakos

Inzwischen konnte ich das Buch von Gerhard Tenholt mit dem Titel "Die Unauflöslichkeit der Ehe und der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen" (Münster, LIT-Verlag, 2001) anschauen. Der Autor drückt sich in der Tat so aus, dass man meinen könnte, die mit Rom unierten Ostkirchen (orientalischen katholischen Kirchen, auch katholische Ostkirchen genannt) hätten eine andere Praxis im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen als die lateinische (katholische) Kirche.

So stellt Tenholt die "lateinische Kirche" öfter den "Ostkirchen" gegenüber, meint aber mit "lateinischer Kirche" nicht nur die lateinische katholische Kirche, sondern auch die orientalischen katholischen Kirchen (z. B. auf Seite 236 bis 244). Mit "Ostkirchen" meint er aber nicht die mit Rom unierten katholischen Ostkirchen, sondern nur die orthodoxen (nicht katholischen) Kirchen.

Die lateinische katholische Kirche hat also, was Wiederverheiratete betrifft, keine andere Praxis als die orientalischen katholischen (mit Rom unierten) Kirchen. Das geht auch hervor aus dem Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen (Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium - CCEO), in Kraft getreten am 01.10.1991. Dort heißt es wie im Gesetzbuch der lateinischen katholischen Kirche (Codex Iuris Canonici - CIC): "Die Wesenseigenschaften der Ehe sind Einheit und Unauflöslichkeit [...]" (can. 776 CCEO, can. 1056 CIC).

Robert

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Robert » Sonntag 14. September 2008, 19:26

Hallo!
Ich habe folgendes Problem bzw. Frage:
Ich bin katholischen Glaubens - meine Partnerin orthodoxen Glaubens. Wir haben vor, kirchlich zu heiraten. Ich war jedoch schon kirchlich verheiratet (seit 7 Jahren geschieden). Gibt es trotzdem eine Möglichkeit kirchlich zu heiraten?
Ich wäre ja sogar bereit in eine andere Kirche einzutreten, da ich der Meinung bin, dass es nicht die Rolle spielt, aus welcher Glaubensrichtung heraus ich an Gott glaube.
Liebe Grüße
Robert

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:26

Ohne die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe aufzugeben, erlauben die orthodoxen Kirchen in gewissen Fällen eine Zweit- und auch eine Drittehe, die allerdings von der sakramentalen Erstehe unterschieden und vom Merkmal der Buße geprägt ist. Die Praxis der orthodoxen Kirchen wird aber von der katholische Kirche nicht übernommen.

Ich halte es nicht für gut, in die orthodoxe Kirche einzutreten nur wegen der allgemeinen Ehelehre der katholischen Kirche oder gar nur wegen der Haltung der katholischen Kirche zu Ihrer konkreten zerbrochene Ehe. Für einen Konfessionswechsel sollten Sie auch alle anderen Merkmale der verschiedenen Kirchen berücksichtigen, sonst kann ein Kirchenübertritt schnell zu Enttäuschungen führen.

Hinzu kommt: Es gibt Ausnahmefälle, bei denen ein zweite, von der katholischen Kirche anerkannte Eheschließung möglich ist, obwohl einer der Partner geschieden ist. Ob es sich bei Ihnen um einen solchen Fall handelt, können Sie von der katholischen Kirche prüfen lassen.

Ich empfehle Ihnen, sich an ein katholisches Kirchengericht (auch Erzbischöfliches/Bischöfliches Offizialat oder Konsistorium genannt) zu wenden. Wenn Sie sich am kirchlichen Gericht der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart (Bischöfliches Offizialat Rottenburg) informieren wollen, können Sie bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Sie finden uns auch im Internet unter http://recht.drs.de ("Bischöfliches Offizialat" anklicken).

Fremgen

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Fremgen » Sonntag 14. September 2008, 19:27

Sehr geehrter Herr Frank,

ich bin römisch-katholisch, geschieden und war kirchlich (katholisch) verheiratet. Meine Freundin ist griechisch-orthodox und ledig. Der griechisch-orthodoxe Priester ist bereit uns zu trauen und meint dies würde auch die katholische Kirche anerkennen. Er beruft sich hierbei auf eine Erklärung beider Kirchen aus dem Jahre 1967. Wiederverheiratung sei bei der orthodoxen Kirche möglich, da sie die alte Praxis vor der Spaltung zwischen orth. und kath. Kirche weiter fortführe. Gilt eine solche Ehe wirklich auch vor der katholischen Kirche oder bin ich dann ein wiederverheiratet Geschiedener, der von den Sakramenten ausgeschlossen ist? Um was geht es eigentlich in der Erklärung von 1967?

Viele Grüsse

Johannes Fremgen

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:27

Sehr geehrter Herr Fremgen,

mit der Erklärung vom 25. März 1976 (Dekret "Crescens matrimonium") hat die katholische Kirche (Päpstliche Kongregation für die katholischen Ostkirchen) bestimmt, dass eine Ehe zwischen einem katholischen und einem orthodoxen Christen für die katholische Kirche auch dann gültig geschlossen wird, wenn keine katholische, sondern nur eine orthodoxe Trauung stattfindet. Voraussetzung dafür ist aus katholischer Sicht allerdings, dass beide Partner ledig sind.

Wenn Sie sich also jetzt mit Ihrer griechisch-orthodoxen Freundin von einem griechisch-orthodoxen Geistlichen trauen lassen, ist diese Eheschließung für die katholische Kirche ungültig, und zwar nicht wegen Fehlens einer katholischen Trauung, sondern wegen Ihrer früheren Ehe. Sie wird von der katholischen Kirche bis zum Beweis des Gegenteils als gültige Ehe betrachtet.

Ich empfehle Ihnen ein Beratungsgespräch an einem katholisches Kirchengericht (auch Erzbischöfliches/Bischöfliches Offizialat oder Konsistorium genannt). Wenn Sie sich am kirchlichen Gericht der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart (Bischöfliches Offizialat Rottenburg) informieren wollen, können Sie bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Sie finden uns auch im Internet unter http://recht.drs.de ("Bischöfliches Offizialat" anklicken).

Anja

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Anja » Sonntag 14. September 2008, 19:28

Sehr geehrter Herr Frank,

auf Ihre Seite bin ich durch Google aufmerksam geworden und habe Ihren Beitrag bzgl. Palakos gefunden.
Ich bin römisch-katholisch und deutsche Staatsangehörige und war vor dem Standesamt und war katholisch kirchlich verheiratet. Meine erste Ehe ist gescheitert. Mein jetziger Freund ist Grieche und war noch nie verheiratet. Er ist griechisch-katholisch und diese Kirche erkennt den Papst als ihr Oberhaupt an. Da wir auch gern heiraten würden, haben wir mit seinem Pfarrer gesprochen. Er sagte uns, dass dies prinzipiell möglich wäre, da die griechisch-katholische Kirche eine andere Sakramentspraxis kenne als die lateinische Kirche. Er riet mir aber, da ich ich zur lateinischen Teilkirche gehöre, zunächst meine frühere kirchliche Ehe durch ein lateinisches Kirchengericht, das beim Bischof angesiedelt sei, auf ihre Gültigkeit überprüfen zu lassen. Sollte ich keinen Erfolg haben, könnte er aber aufgrund der anderen Sakramentspraxis in der griechisch-katholischen Kirche uns kirchlich trauen und ich könnte zumindest in der griechisch-katholischen Kirche zur Beichte und zur Kommunion gehen. Alternativ könnte ich auch innerhalb der katholischen Kirche von der lateinischen Teilkirche zur griechisch-katholischen Kirche wechseln. Er riet mir aber davon ab, da ich aufgrund meiner deutschen Herkunft weder die Sprache verstehen würde, noch die andere Art den Gottesdienst zu feiern, nachvollziehen könnte. Außerdem würden wesentlich strengere Fastenvorschriften, als in der lateinischen Teilkirche, gelten. Für mich war das alles ziemlich verwirrend, da ich bisher der Meinung war, dass eine Wiederverheiratung generell in der katholischen Kirche nicht möglich sei. Hinzu kam, dass dieser Priester verheiratet ist und vier Kinder hat. Ich dachte immer katholische Priester dürfen nicht heiraten. Zweimal habe ich an einem sehr langen Gottesdienst dieser Kirche teilgenommen und für mich wirkte dies wie ein orthodoxer Gottesdienst (was man so vom Fernsehen kennt). Wie soll ich mich jetzt hier verhalten? Ist das Verfahren vor einem Kirchengericht sehr aufwendig? Wenn ich den Prozess verliere, darf ich nach einer Hochzeit in der griechisch-katholischen Kirche nur dort zur Kommunion gehen oder auch in meiner Heimatgemeinde, die römisch-katholisch ist? Sollte ich zunächst mit meinem römisch-katholischen Pfarrer in meiner Heimatgemeinde sprechen? Und zum Schluß: Was ist eigentlich die lateinische Teilkirche? Entschuldigen Sie die vielen Fragen, aber für mich ist das sehr wichtig, da ich sehr gläubig bin. Danke.

Anja

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:28

Die katholische Kirche mit dem Papst als Oberhaupt besteht aus der lateinischen katholischen (Teil-)Kirche und aus 22 orientalischen katholischen (Teil-)Kirchen, zu denen auch die von Ihnen erwähnte griechisch-katholische Kirche gehört.

Die orientalischen katholischen Kirchen haben, wie Sie selbst schon bemerkten, eine andere Art, den Gottesdienst zu feiern, und sie lassen unter bestimmten Voraussetzungen auch verheiratete Männer zur Priesterweihe zu. Alle katholischen Kirchen (also auch die orientalischen) halten aber an der Unauflöslichkeit der Ehe fest.

Deshalb hat Ihr Pfarrer Recht, wenn er Ihnen empfiehlt, Ihre zerbrochene Ehe an einem katholisches Kirchengericht (auch Erzbischöfliches/Bischöfliches Offizialat oder Konsistorium genannt) untersuchen zu lassen. Bei einem Beratungsgespräch kann man Ihnen sagen, wie aufwändig die Prüfung der zerbrochenen Ehe in Ihrem Fall ist.

Wenn Sie sich am kirchlichen Gericht der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart (Bischöfliches Offizialat Rottenburg) informieren wollen, können Sie bei mir anrufen unter der Nummer 07472 169-525. Sie finden uns auch im Internet unter http://recht.drs.de ("Bischöfliches Offizialat" anklicken).

Katina

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Katina » Sonntag 14. September 2008, 19:28

Hallo!
Ich habe folgende Fragen:
Ich bin griech.- orthodox und mein Partner röm.-katholisch. Wir möchten demnächst Heiraten. Dies soll in einer orthodox- kathol. Messe stattfinden.
1. Ist dies in einer katholischen Kirche möglich?
2. Ist es möglich, dass der katholische Anteil fast genauso vertreten ist wie der orthodoxe?
Wir sind total verunsichert, da wir keine Glaubensrichtung benachteiligen wollen. Vielen DAnk
Katina

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:29

Eine gemeinsame kirchliche Trauung zwischen katholischen und orthodoxen Brautleuten (bei der Pfarrer beider Kirchen in gleicher Weise tätig sind) ist nicht möglich. Es ist aber - in Form einer freien Übereinkunft - möglich, zur katholischen bzw. orthodoxen Feier der Trauung den jeweils anderen Pfarrer einzuladen, zum Beispiel ein Gebet zu sprechen oder eine Ansprache zu halten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie jetzt schon mit dem griechisch-orthodoxen und mit dem katholischen Pfarrer, der für Ihren Wohnsitz zuständig ist, Kontakt aufnehmen.

Weitere Informationen können Sie finden in einer Handreichung der Gemeinsamen Kommission der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der römisch-katholischen Kirche in Deutschland aus dem Jahre 1993 mit dem Titel "Ehen zwischen orthodoxen und katholischen Christen". Sie können dieses Faltblatt bestellen beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Postfach 29 62, 53019 Bonn, Tel.: 0228 103-290, Fax: 0228 103-299, E-Mail: sekretariat@dbk.de.

Rosa

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Rosa » Sonntag 14. September 2008, 19:29

Ich hab noch eine Frage: Kann die griechisch/katholische Trauung in einer beliebiegen orthodoxen Kirche stattfinden? Oder ist das am Wohnort gebunden ? Vielen Dank!

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:29

Ich kenne die Bestimmungen in der orthodoxen Kirche nicht, denke mir aber, dass es ähnlich geregelt ist wie in der katholischen Kirche. Das heißt: Mit Erlaubnis des Wohnsitzpfarrers kann die Trauung wohl außerhalb der Wohnsitzpfarrei stattfinden (wenn auch der Pfarrer des Trauungsortes zustimmt). Am besten ist es, Sie sprechen mit dem orthodoxen Pfarrer, der für Ihren Wohnsitz zuständig ist.

Anja

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Anja » Sonntag 14. September 2008, 19:30

Hallo, mein Verlobter und Ich möchten gerne kirchlich getraut werden. Da ich katholisch und mein Verlobter orthodox ist würde ich gerne wissen ob das einfach so geht und um was müßter wir uns kümmern. Wir Danken schon im Voraus.
Grüße
Anja Miro

Engelbert Frank

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Engelbert Frank » Sonntag 14. September 2008, 19:30

Eine für die katholische Kirche gültige Trauung zwischen einem katholischen und einem orthodoxen Partner ist möglich, wenn vor allem folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1. Beide Partner müssen ledig sein - dürfen also vorher noch keine Ehe standesamtlich oder kirchlich mit einem anderen Partner geschlossen haben.

2. Der katholische Partner muss versprechen, in der Ehe als katholischer Christ zu leben und die Kinder aus der Ehe in der katholischen Kirche taufen zu lassen (und im katholischen Glauben zu erziehen), soweit das in seiner Ehe möglich ist.

Sie können Ihre Ehe (für die katholische Kirche gültig) vor einem katholischen Geistlichen schließen oder auch (mit einer Befreiung von der katholischen Eheschließungsform) vor einem orthodoxen Geistlichen. Wenden Sie sich in jedem Fall, sobald wie möglich, an den für Ihren Wohnsitz zuständigen katholischen Pfarrer. Auch mit dem für den Wohnsitz Ihres Verlobten zuständigen orthodoxen Geistlichen sollten Sie Kontakt aufnehmen, damit sichergestellt ist, dass Ihre Eheschließung auch von der orthodoxen Kirche als gültig anerkannt wird.

Diana

Re: Orthodox-katholische Trauungsfeier

Beitrag von Diana » Sonntag 14. September 2008, 19:31

Hallo,

ich und mein Partner haben vor bald zu heiraten.
Er ist serbisch orthodox, ich bin katholisch.
Wir haben uns entschieden in einer orthodoxen Kirche zu heiraten. Nun meine Frage: muss dies in diesem Fall unbedingt in einer serbischen orthodoxen Kirche sein, oder würde dies auch in einer russischen/griechischen gehen?
Und noch eine Frage..müsste ich mich dafür umtaufen lassen, oder könnte ich den katholischen Glauben beibehalten?

Vielen Dank schon mal...

Diana

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