Taufe ohne Ehemann

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Gast

Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Gast » Mittwoch 17. November 2010, 23:40

Wann kann es ein Priester befürworten, daß der Ehemann des gemeinsamen Kindes nicht einmal wegen des Tauftermins benachrichtigt wird? Welche Fälle sind bekannt oder denkbar?

Danke für die Informationen

Gast

Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Gast » Freitag 19. November 2010, 00:16

Meine Anfrage möchte ich noch konkretisieren. Die beiden Ehepartner haben gemeinsames Sorgerecht und sind ja verheiratet, wenn auch in Trennung lebend. Darf dann das Kind heimlich ohne Benachrichtigung, Einladung und Zustimmung des Kindsvaters und Ehemannes getauft werden, also auch rein rechtlich?


Vielen Dank für jede Antwort

Arletta Bolesta

Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Arletta Bolesta » Freitag 19. November 2010, 06:57

Guten Morgen,
es genuegt Zustimmung schon von einer Partei (Vater oder Mutter eines Kindes).
Mit freundlichen Gruessen
Arletta Bolesta

Wiebke
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Wiebke » Samstag 20. November 2010, 16:03

Kanonisch mag das sein, aber nach deutschen staatlichen Recht hab ich da meine Zweifel.

Eine Taufe sollte doch als Angelegenheit "von erheblicher Bedeutung" für das Kind angesehen werden, da kann nicht einfach einer alleine machen.

Im Gesetz über die religiöse Kindererziehung stehen zwar ein paar Sonderregeln, z.B. die, dass "von keinem Elternteil ohne die Zustimmung des anderen bestimmt werden [kann], dass das Kind in einem anderen als dem zur Zeit der Eheschließung gemeinsamen Bekenntnis oder in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen" werden soll, aber die Bedingungen müssten erstmal erfüllt sein (beide RKK-Mitglieder?, bisherige Praxis? ...), und selbst dann hätte ich Bedenken, ob das so hinter dem Rücken des anderen statthaft ist.

Ich kann mir vorstellen, dass das Familiengericht in einem etwaigen Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren das schon übel nehmen würde.

Und jetzt mal ganz unjuristisch betrachtet: Von dem Fall abgesehen, dass das Kind gar nicht von dem Ehemann abstammt und das Anfechtungsverfahren halt noch läuft, fände ich es eine ziemlich Unverschämtheit, eine solche Entscheidung dem anderen Elternteil zu verheimlichen - egal was für eine vielleicht kritikwürdige Haltung der gegenüber dem Kind ansonsten einnimmt.

Insofern finde ich es bereits bedenklich, eine solche Frage überhaupt zu stellen. Elterliche Sorge ist zuerstmal eine Pflicht und erst dann ein Recht, sie ist sozusagen "treuhänderisch" im Sinne des Kindes auszuüben. Und dazu gehört, dass man respektiert, dass das Kind zwei Eltern hat.

Wenn die Eltern sich nicht auf eine Taufe einigen können, dann hat sie eben zunächst mal zu unterbleiben. Das hindert ja weder den einen noch den anderen Elternteil daran, dem Kind den eigenen Glauben nahezubringen und vor allem vorzuleben (denn Erziehung ist schließlich zu 99% gutes Vorbild). Man könnte auch den Pfarrer bitten, das Kind in einem Gottesdienst in der Gemeinde willkommen zu heißen und ihm seinen Segen auszusprechen oder sowas. Das wäre wohl zulässig. Spätestens mit 14 entscheidet dann das Kind selbst.

Vielleicht steht auch mal die Anmeldung zu einem Religionsunterricht auf der Tagesordnung, und dann muss halt das Gericht entscheiden, wenn alle Stricke reißen, aber einfach so hinterrücks... Nein, dafür habe ich kein Verständnis.

Brudermartin
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Brudermartin » Freitag 31. August 2012, 12:02

Hallo,
Bei mir war es genauso. Ich bin völlig dagegen, Kinder taufen zu lassen, weil sie gar nicht wissen, um was es dabei geht. (Meine jüngste Tochter meinte sogar, sie sei "gekauft" worden). Trotzdem hat meine Frau die Veranstaltung heimlich vorbereitet und mich dann 30 Minuten davor in ihre Pläne eingeweiht. Ich bin daraufhin in die Kirche gegangen, habe den von meiner Frau ausgesuchten Paten, sowie dem Pfarrer gesagt, dass ich diese Taufe nicht gutheiße und sie für ungültig erachte, da ich nicht nach meinem Einverständnis gefragt worden bin. Zuerst haben mich alle angeschaut, als wäre ich nicht ganz bei Trost, dann hieß es, die Taufe würde jetzt dennoch durchgezogen, schließlich waren schon an die 60 Leute anwesend, die könne man jetzt nicht wieder heimschicken. Ich habe dann gesagt, macht was ihr wollt, aber diese Taufe ist ungültig und wenn ihr meinen Kindern weh tut, gibt es Strafanzeige. Ich habe mich dann zerknirscht dazugesetzt, all die kopfschüttelnden und milde über mich lächelnden Anwesenden ertragend und habe gewartet, bis die Zeremonie vorbei war.
Ist diese Taufe nun gültig?
P.S.: Bei dem Satz "jetzt seid ihr (4 Kinder) endlich auch von Gott angenommen", war ich kurz davor, aufzuspringen und dem Pfarrer für diese Unverschämtheit eine Ohrfeige zu verpassen. Ist das in der katholischen Theologie wirklich so, das Gott ein Kind erst dann annimmt, wenn der Pfarrer Wasser über dessen Kopf schüttet?
Vielen Dank im voraus für Antworten und Grüße vom Bruder Martin.

Arletta Bolesta
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Arletta Bolesta » Freitag 31. August 2012, 14:44

Guten Tag,
ich berufe mich auf Kodex:
Wenn es um Gueltigkei der Taufe geht, dann liest man:
Can. 849 — Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten; ihr tatsächlicher Empfang oder wenigstens das Verlangen danach ist zum Heil notwendig; durch sie werden die Menschen von den Sünden befreit, zu Kindern Gottes neu geschaffen und, durch ein untilgbares Prägemal Christus gleichgestaltet, der Kirche eingegliedert; sie wird nur durch Waschung mit wirklichem Wasser in Verbindung mit der gebotenen Form der Taufworte gültig gespendet.

Ich moechte auch noch eine andere Vorschrift betonen:
Can. 868 — § 1. Damit ein Kind erlaubt getauft wird, ist erforderlich:
1° die Eltern oder wenigstens ein Elternteil bzw. wer rechtmäßig ihre Stelle einnimmt, müssen zustimmen.

Mit freundlichen Gruessen
Arletta Bolesta

Brudermartin
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Brudermartin » Freitag 31. August 2012, 23:02

Hallo Arletta und Danke,
aber die Frage war, ob die Taufe gültig ist, auch wenn der Vater sein Nicht-Einverständnis deutlich und für jeden verstehbar ausgedrückt hat. Und das mit dem "erst-durch-Taufe-von-Gott-angenommen-sein" - ist das eine Privatmeinung oder tatsächliche katholische Theologie? (meine Meinung: sich einzubilden zu wissen, wen Gott annimmt und wen nicht, ist Hybris, ist Blasphemie! - korrigiert mich, wenn ich da was falsch versteh, aber am besten so, dass ich's richtig versteh, ok?)
Viele Grüße und nochmals Danke - ich hab mich wirklich gefreut, dass jemand antwortet! Oft wird man nur so stehengelassen, das kann ganz schön ätzend sein...

Arletta Bolesta
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Arletta Bolesta » Samstag 1. September 2012, 08:18

Guten Morgen,
ich werde mich nur mit rechtlicher Ebene befassen, also: die Taufe ist gueltig.
Schauen Sie noch einmal, wenn es um Kan. geht, der davon sagt: es genuegt, wenn mindestens Mutter oder Vater der Taufe zustimmt, u., was auch sehr wichtig ist, es geht dann um moralische Ebene, was bedeutet, dass diese Erlaubnis die Gueltigkeit der Taufe nicht betrifft. Also nochmals: die Tafe v. Ihren Kindern ist gueltig.

Mit freundlichen Gruessen
Arletta Bolesta

Wiebke
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Wiebke » Sonntag 2. September 2012, 23:55

Brudermartin hat geschrieben:Hallo,
Bei mir war es genauso. Ich bin völlig dagegen, Kinder taufen zu lassen, weil sie gar nicht wissen, um was es dabei geht. (Meine jüngste Tochter meinte sogar, sie sei "gekauft" worden). Trotzdem hat meine Frau die Veranstaltung heimlich vorbereitet und mich dann 30 Minuten davor in ihre Pläne eingeweiht. Ich bin daraufhin in die Kirche gegangen, habe den von meiner Frau ausgesuchten Paten, sowie dem Pfarrer gesagt, dass ich diese Taufe nicht gutheiße und sie für ungültig erachte, da ich nicht nach meinem Einverständnis gefragt worden bin. Zuerst haben mich alle angeschaut, als wäre ich nicht ganz bei Trost, dann hieß es, die Taufe würde jetzt dennoch durchgezogen, schließlich waren schon an die 60 Leute anwesend, die könne man jetzt nicht wieder heimschicken. Ich habe dann gesagt, macht was ihr wollt, aber diese Taufe ist ungültig und wenn ihr meinen Kindern weh tut, gibt es Strafanzeige. Ich habe mich dann zerknirscht dazugesetzt, all die kopfschüttelnden und milde über mich lächelnden Anwesenden ertragend und habe gewartet, bis die Zeremonie vorbei war.
Ist diese Taufe nun gültig?
Kirchenrechtlich gültig ist sie auf jeden Fall, denn für die Gültigkeit ist die Einwilligung selbst eines einzigen Erziehungsberechtigten gar nicht nötig.

Sie ist jedoch m.E. ein pastoraler Skandal. Dass der Priester die Taufe durchgezogen hat, obwohl er vom Widerspruch des Vaters und daher auch der unsäglichen Manipulation der Mutter noch rechtzeitig erfahren hat, halte ich für inakzeptabel. Er hätte der Gemeinde diplomatisch erklären müssen, dass da im letzten Augenblick halt ein Problem aufgetreten sei, weswegen man das jetzt leider zum Segnungsgottesdienst für die Kinder umfunktionieren müsse - sowas in der Art. Ich würde mich daher ganz energisch beim Bistum über den Pfarrer beschweren und eine offizielle Entschuldigung der Kirche verlangen.

Der andere Punkt ist der mit der Taufe normalerweise verbundene Eintritt in die Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts für den Staat. Ich gehe davon aus, dass dies nicht ohne Zustimmung beider Erziehungsberechtigten gültig sein kann. Daher würde ich hier per Einschreiben an das Einwohnermeldeamt (sowie vorsichtshalber auch an das Standesamt) bestimmt darauf hinweisen, dass die Taufe nicht von der Einwilligung beider Erziehungsberechtigten gedeckt war und deswegen keine Kirchenmitgliedschaft aus Sicht des Staates begründen kann. D.h. dass die Kinder im Melderegister, in der Schule etc. weiterhin als konfessionslos geführt werden müssen. Falls die Behörde das nicht akzeptiert, würde ich einen Anwalt einschalten, denn es herrschen in dieser Beziehung oft ziemlich abstruse Rechtsvorstellungen bei den Ämtern, gegen die man als einfacher Bürger schlicht nicht anstinken kann.

Brudermartin
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Re: Taufe ohne Ehemann

Beitrag von Brudermartin » Mittwoch 5. September 2012, 01:10

Hallo Wiebke,
ich danke Dir für deinen Rat mit dem Einwohnermeldeamt, den werde ich befolgen. Dass meine Kinder konfessionslos sind, ist mir vor allem wegen dem Religionsunterricht ein Anliegen, der hier auf dem Land vom ev. bzw. kath. Pfarrer erteilt wird, die, bei allem Respekt, in meinen Augen eher wenig religionspädagogische Erfahrung mitbringen (- Verzeihung, ich bin selbst Reli-Lehrer und evtl. etwas anspruchsvoll). Besonders mein Sohn beschwert sich öfters darüber, dass er nicht versteht, was ihm da beigebracht wird und dass ihm gesagt worden ist, er solle nicht so viele Fragen stellen. Naja, das gehört jetzt wohl nicht hierher und soll auch keine Kollegenschelte werden - was ich aber damit sagen will, ist folgendes: Die institutionalisierte religiöse Unterweisung schadet der Religiosität, wenn sie leugnet, dass Religion etwas Freies und sehr Persönliches ist. Wenn die Kinder konfessionslos sind, können sie freiwillig am RU teilnehmen, als interessierte Menschen und nicht gezwungenermaßen, als Menschen, die das gefälligst zu interessieren hat.
So. Genug von meinen Beweggründen, aber das macht so einen Thread ja auch ein wenig lebendig, ok?
Ach ja: Eine Entschuldigung von der Kirche halte ich nicht für notwenig, weißt du, der erwähnte Pfarrer ist ja nicht gerade der Typ "knallharter Profi", sondern eher etwas hilflos und darum bemüht, einfach nur zurecht zu kommen, so wie wir alle. Und außerdem konnte er nichts dafür, dass ich sauer auf meine Frau war. Und außerdem bin ich doch selbst schuld, wenn ich zu feige war, mich im entscheidenden Moment winnetou-artig zwischen das Wasser und meine Kinder zu werfen, oder?

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